Man kann manchmal den ganzen Tag wochenlang dasitzen und für ein Thema recherchieren und daran arbeiten, und dann geht etwas interessanes dennoch völlig an einem vorbei: Gefährlicher Freiraum, Weblogs im Iran auf 3SATs Kulturzeit. Das kam erst jetzt via Blogshop und Cyberwriter in meinen Blick. Zu spät, und es hat wohl nicht gerade jemand der das hier liest die Sendung aufgenommen?
Nun, immerhin ist auch der OnlineText sehr informativ und aufmerksam wurde ich dadurch auf Masserat Amir Ebrahimi, die sich mit iranischen Weblogs beschäftigt (und allen Fragen die mich in Bezg auf Blogs auch gerade beschäftigen).
Einen Text von ihr konnte ich online finden:
Performance in Everyday Life and the Rediscovery of the “Self” in Iranian Weblogs”.
Also, wer zur Kulturzeit oder Amir Ebrahimi mehr hat und weiss, bitte mal melden!
Monthly Archive for Januar, 2005
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“Baghdad Burning”, ‘Feminist Press’
Der Weblog von Riverbend (”Girl Blog from Iraq”) ist nach Salam Pax’ The Baghdad Blog der zweite irakische Weblog (meines Wissens nach), der in Buchform veröffentlich wird. Gemeinsam mit Raed Jarrar gehört sie im Gegensatz zu Bloggern wie Zeyad zu den deutlichen Kritikern der US-Besatzung und deren Folgen. So endete ihr letzter Eintrag vom 22.1. zum Beispiel:
“We’ve given up on democracy, security and even electricity. Just bring back the water.”
Das Buch wird von the feminist press (University of New York) vorraussichtlich im März veröffentlicht. In der Buchvorstellung deutlich herausgestellt wird ihr weiblicher Blick auf die Entwicklungen im Irak. Offizielle Seite zum Buch.
Ich kann mir vorstellen, dass ihr Blog auch in Buchform interessant sein kann. Ihr Einträge sind meist länger und zum Teil recht essayistisch gehalten und immer mit einer Fülle von gleichzeitig Fakten, Meinungen, Stimmungen und Emotionen gespickt.
[via toteota. Ein langer Post, in dem es noch weit mehr zu entdecken gibt.]
Eine Sensation auf IT&W, die “Saga vom ersten Auftritt des Macs”….und ich kann es nicht sehen:
CGI-limits reached, please try again later! :(
Begnüge ich mich eben erstmal hiermit.
Upd.: Problem gelöst, macnews.de bietet gleich 4 mirror.
Einige nette Eindrücke in Bild und Text von der Amtseinführung des neuen ukrainischen Präsidenten Yushchenko bekommt man auf Le Sabot Post-Moderne und auf Connards Blog.
“After Yushchenko’s speech they launched a huge flight of orange balloons into the air. It’s done. What we’ve known all along is now official — Yushchenko is the rightful and legitimate president of Ukraine. Thank God.”
Ein Artikel auf Frankfurter Rundschau online: “Die wichtigsten chinesischen Internet-Provider haben Filter eingebaut. Sobald ein missliebiges Wort auftaucht, wird automatisch abgeschaltet. (…) Doch Blogger sind erfinderisch. Sie teilen die Tabuwörter durch Zwischenzeichen wie Bindestriche auf oder setzen ein im Zusammenhang sinnloses Wörtchen zwischen die einzelnen Zeichen – und die Sache funktioniert wieder.”
Update: In einem follow-up meint Hoder, die erste Meldung zu dieser Abgelegenheit sei zwar ‘etwas’ überdramatisiert; nichts desto trotz: Das Ganze ist sehr merkwürdig, insbesondere die Kündigung ohne Verweis auf den konkreten Grund (siehe den aktuellen Eintrag, Teile des Email-Wechsels zwischen Provider und User sind dokumentiert).
22.1.05: Hoder berichtet auf seinem Weblog:
“As if being censored by the regime hasn’t been painful enough, now US based hosting copmanies have started to shut down private and governmental Iranian accounts with a short notice. (…) I wonder whether this is what president Bush considers standing with a nation for their freedom. Who else is using these websites other than mostly secular, freedom-loving Iranian youth?”
Die Iraner trifft es so langsam also doppelt hart, nachdem bereits desöfteren und erst vor kurzer Zeit iranische Provider aufgefordert wurden, Blogdienste zu sperren bzw. filtern. Im Kontext der jüngsten Vermutungen über die kommenden Kriegspläne der US-Regierung könnte diese Entwicklung durchaus besorgniserregend werden – zumindest wenn sich dies weiter auswächst. Aus der Provinz kommt auch schon die Frage: “Mal schauen, wann die ersten Teaser für “Irak Reloaded – Then We Take Iran” in die Kinos und ins Internet kommen …”
Vielleicht sind es diesmal keine Aufsehen erregende Teaser, sondern die vielen kleinen Indizien. Iranischen accounts wortkarg das Ende zu verkünden – geschieht das etwa “einfach so”?
Ich bin dank delicious gerade auf die Interviewreihe “Conversations with history” gestoßen. Diese Reihe des Instituts für internationale Studien an der Universität Berkely mögen viele bereits kennen: Seit 1982 hat ‘Host’ Harry Kreisler mittlerweile über 300 Interviews für Conversations with history geführt. In einem Interview aus dem Mai 2001 kommt auch Manuel Castells zu Wort.
Der Bogen des Gespräches spannt sich dabei von seinem persönlichen Hintergrund über die Definition der Netzwerkgesellschaft bis zur Herausstellung der Bedeutung von Identität – im Prinzip ein Rundumschlag bzw. eine Einführung in seine Triologie über das Informationszeitaler.
Man kann das Interview hier sowohl als Transkription nachlesen oder es sich als knapp einstündiges RealVideo in akzeptabler Qualität anschauen.
Seine Definition der Netzwerkgesellschaft
“…a society where the key social structures and activities are organized around electronically processed information networks. So it’s not just about networks or social networks, because social networks have been very old forms of social organization. It’s about social networks which process and manage information and are using micro-electronic based technologies.”
und weitere Schlußfolgerungen daraus können meines Erachtens auch zu einer Klärung beitragen, weshalb Weblogs in zunehmenden Maße wichtig und bedeutend werden. So spannt sich in seiner Argumentation unter anderem der Bogen von der Feststellung, dass 2/3 alle Bürger der Welt ihren Regierungen nicht trauen (eine Ausnahme bilden die skandinavischen Demokratien), hin zu den Verweisen auf erfolgreiche über das Internet organisierte Bewegungen wie Umweltorganisationen oder Globalisierungskritiker. Zudem schreitet die Individualisierung weiter fort:
“So we have individuals and communities, and in between, the civil society and the state — they don’t vanish, but they are dramatically weakened. And the civil society and the state were, in fact, the institutions that emerged as forms of social organizations in the industrial age.”
In diesem Kontext sind (oder können sein) Weblogs die Stimmen der Individuen mitten in einem Prozeß der Aushandlung neuer Identitäts- und Machtbeziehungen zwischen Staat, globalen Wirtschaftsakteuren, lokalen Gemeinschaften und traditionellen Massenmedien. So sehr ich das jetzt hier verkürze, so sehr wird das deutlicher in Castells Ausführungen in dem Interview (und natürlich in seinen Büchern; diese sind jedoch weitaus anstrengender ‘für den Einstieg’).
Dadurch, dass das Interview bereits 2001 geführt wurde, ergeben sich auch einige nette ’sidenotes’ – wie zum Beispiel bei den Ausführungen zu den Zusammenhängen zwischen Kriegsführung und Informationstechnologie:
“The notion that Iraq was going to strangle the oil supply of the West, in fact, was halfway credible for a while and then disappeared. No one thinks that Iraq is really a threat for the Western world.”
Ja, da hat er wohl nicht mit GWB gerechnet.
Wem das Interview gefällt, wer keine Lust auf Sonntag Abend-Fernsehen hat, der kann sich im Anschluß ja noch 3 Stunden lang mit 2 Gesprächen zwischen Kreisler und Noam Chomsky kurzweilig unterhalten lassen.
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