Monthly Archive for Juli, 2005

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Sing Sing

Der Staat im Staat in der ersten Person
Selbstanklagen klingen hier nach Restauration einer Haut
die ist wie eine Blindenschrift
die sich ohne Berührungsängste lesen läßt
wie ein Fluchtversuch
eines Kriegsberichterstatters, der sich selbst verflucht
weil er Liebeserklärungen als Auswege sucht
und nichts findet

Siehst Du ihn jetzt, wie der sich windet?
wie wenn ihr eure Augen verbindet
der mit Ausdruck Eindruck schindet
Bombenkratergleich weil:
der reißt Dich richtig auf
Dein Rücken ist dem eine weit’re Tür
paß auf Dein Rückgrat auf sagt der
und ich stehe hinter Dir
das ist Dein Pech der meint
gib’s mir
Sing Sing

Jedes Bild ist wie ein Messer, ist Gebrauchsgegenstand
und lesen meint hier denken mit anderm Verstand
indem man liest
Gedanken sucht und findet
die dann zitiert, verbindet (das ist Technik)
und wer das nutzt macht sich verdächtig
wird unberechtigt Ladendieb genannt
so wird ein Zeichensprecher Schwerverbrecher
dann wird Gebrauchsgegenstand zwingend Mordinstrument
wozu Gebrauchsgegenstand, ich brauche Mordinstrument
jedes Bild ist wie ein Messer
Sing Sing

Hey Knacki, kennst Du den schon
Stammheim Babel
die wollten ihren eigenen Nabel
sich einen Namen, machen Namen geben
nicht in Staaten, nicht in Vollzugsanstalten leben
und bauten statt Staat einen Turm – weswegen ?
die waren Kinder ihrer Eltern und genau dagegen
brave Kinder heiliger Eltern
Hochstaplerkarriere auf der Lauer
der Turm fiel um und wurde Mauer
wurde Sprachbarriere
ich mache weiter als ob nichts gewesen wäre
ich mache weiter als ob nichts gewesen wäre
Sing Sing

(Text – Distelmeyer)
(Ghettowelt-7″Single, 1991; “Die Welt ist schön”, 2002)

Alternatives MP3-Hören, Folge 1

Das Nach-Dauer-Von-Kurz-Nach-Lang-Hören:
Sortieren Sie Ihre MP3 nach Titellänge von kurz nach lang. Stellen Sie die Funktion “Überblenden” an, vermeiden Sie jedoch zu lange Überblendzeiten. Spielen Sie die Titel ab dem Kürzesten. Es sollten sich nun insbesondere Intros, Outros, Interludes, Sprachfetzen von Soundtrack-CDs, Punk-Kracher, klassische kurze Klavierstücke, Demotitel und unterschiedliche Kuriositäten (von denen Sie nicht mehr erinnern werden, wie Sie in Ihre MP3-Sammlung gelangten) in schneller Abfolge hören lassen. Sollte das bei Ihnen nicht der Fall sein, beachten Sie bitte die Systemvorraussetzungen. Beenden Sie das Hören beim Erreichen der 2-Minuten-Grenze.

Systemvorraussetzungen:
Minimal: 50 Titel unter 1 Minute 30; 5 verschiedene Musikstile.
Empfohlen: 20 Titel unter 30 Sekunden; 70 Titel unter 1 Minute oder insgesamt 150 Titel unter 2 Minuten; 10 verschiedene Musikstile.

MP3 Tip: Nada Surf

Die nächste Platte von Nada Surf, deren Songs wie “Blonde on Blonde” oder “Popular” meist länger im Ohr verweilen, nennt sich “the weight is a gift” und wird am 13. September erscheinen. Barsuk Records veröffentlicht nun vorab bereits ein MP3. Der Song nennt sich “do it again” und ist nicht ganz so stark wie die erwähnten Hits, macht aber dennoch Hoffnung auf ein gutes Album.
Direkter Link zum MP3 “do it again”.

In die bisherigen Nada Surf Alben kann man auf iTunes reinhören:

Nada Surf

[MP3-Tips bei woweezowee]

(12.09.05)
Mittlerweile ist das neue, verdammt gute Album bei iTunes zu haben:


The Weight Is a Gift

Neuwahlen – what a surprise

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, jetzt haben Sie es in der Hand. Schauen Sie bitte genau hin. Demokratie heißt, die Wahl zu haben zwischen politischen Alternativen. Machen Sie von Ihrem Wahlrecht sorgsam Gebrauch. (Ganze Rede bei SPON)

Darf ich diese letzten Sätze von Superhorst als Warnung vor Angela verstehen?

CDU in schwerer und ernster Krise

Ja, richtig gelesen. Die CDU ist in einer ernsthaften Krise – zumindest hier in Mannheim. Es geht um die sogenannte “Web-Affäre”. Mindestens zwei gewichtige Politiker der lokalen CDU haben sich im Forum der Onlineausgabe des rechtslastigen und kulturfeindlichen Lokalblattes Mannheimer Morgen (von den Eingeborenen wie mir gerne als “Mannheimer Mogel” bezeichnet) als ganz klassische Trolle erwiesen. Ein Bericht der Wormser Zeitung fasst den Entwicklungsstand der Affäre Ende Juni zusammen:

Sven-Joachim Otto sagte am gestrigen Mittwoch, er habe unter Pseudonymen im Internet Beiträge zu bestimmten Personen wie Finanzminister Gerhard Stratthaus (CDU) oder einem SPD-Kommunalpolitiker veröffentlicht. Gleichzeitig entschuldigte sich der OB-Kandidat von 1998 bei allen, denen er mit seinen Web-Einträgen unter 31 Pseudonymen wie “Frosch”, “Rote Socke” oder “Apache” Schaden zugefügt habe. Zwar handele es sich nicht um Beleidigungen, aber er bedauere diese “Kindereien” und werde nicht wieder für den Gemeinderat kandidieren. Mannheims Bürgermeister Rolf Schmidt hatte ebenfalls eingeräumt, unter Pseudonym Beiträge ins Internet gestellt zu haben. Er habe die Bezeichnungen “ein Intriganten-Trio, das jeder kennt” sowie “verdeckter Strippenzieher” anonym gegen seinen Parteifreund Klaus Dieter Reichardt verwendet. Die “Web-Affäre” hatte Mannheim seit Wochen in Atem gehalten. Im Internet hatten Unbekannte unter Pseudonymen Schmähungen gegen den Mannheimer CDU-Landtagsabgeordneten Klaus Dieter Reichardt abgesetzt. In einem Fall war sogar der “Skalp” von Finanzminister Gerhard Stratthaus (CDU) gefordert worden. Reichardt hatte nach den anonymen Beleidigungen im Februar Anzeige gegen Unbekannt erstattet. (23.06.2005)

Der politische Gegner reagiert entsetzt, z.B. die SPD:

Entsetzt reagiert die SPD-Gemeinderatsfraktion auf die Details, die täglich im Zusammenhang mit der Web-Affäre ans Tageslicht kommen. Unter bis zu 50 Pseudonymen soll sich etwa Bürgermeister Rolf Schmidt (CDU) anonym daran beteiligt haben, politische Gegner diffamiert und öffentliche Meinung manipuliert zu haben. (Pressemitteilung SPD 22.06.2005)

Aber auch Grüne und die weiteren Parteien zeigen Aufklärungswillen:

Die SPD-Gemeinderatsfraktion, vertreten durch ihren Fraktionsvorsitzenden Dr. Frank Mentrup, die Fraktion von Bündnis 90/ Die GRÜNEN, vertreten durch ihren Fraktionsvorsitzenden Wolfgang Raufelder, die FDP im Gemeinderat, vertreten durch Dr. Elke Wormer und Frau Gudrun Kuch von der Linken Liste Mannheim laden gemeinsam zu einer Pressekonferenz ein. Wir erwarten voller Spannung die Erklärung von Bürgermeister Schmidt zu seiner Rolle in der „Froschkönig-Affäre“ und wollen erstmals in der Geschichte des Mannheimer Gemeinderats die politischen Vorgänge gemeinsam bewerten. (Pressemitteilung Grüne 06.07.2005)

Sowas macht den Wahlkampf auf lokaler Ebene natürlich alles andere als leicht. Arme CDU.

“Egal auf welches Sommerfest ich derzeit komme, es gibt nur ein Thema”, seufzt ein Ortsverbandsvorsitzender der CDU. Die Kommunalpolitiker werden überall auf die Web-Affäre von Bürgermeister Rolf Schmidt und CDU-Stadtrat Dr. Sven-Joachim Otto angesprochen. Statt über die bevorstehenden Bundes- und Landtagswahlen zu diskutieren, stehen “Froschkönig”, “Florida Rolf” und “Apache” zur Debatte, die anonymen Beiträge der beiden unter den “Nicknames” im Morgenweb.” (Mannheimer Mogel 14.07.2005)

Die SPD hat Recht, wenn sie auf die Implikationen für die politische Kultur hinweist und in einer weiteren Mitteilung schreibt:

Die Verstrickungen von Bürgermeister Rolf Schmidt und Stadtrat Dr. Sven-Joachim Otto in anonyme Web-Kampagnen gegen politische Gegner innerhalb und außerhalb der CDU stellen die Grundprinzipien im Umgang mit Öffentlichkeit und eigener Meinung in unserer Demokratie in Frage. Anonym, damit quasi “vermummt”, und getarnt hinter mehreren Dutzend Pseudonymen wurde hier gezielt Stimmung gemacht und politische Meinungsbildung manipuliert. Dies ist ein ungeheurer Vorgang in einer Demokratie, in der die Meinungsäußerung einerseits geschützt – andererseits aber auch von den öffentlichen Akteuren in persönlicher Verantwortung erwartet wird. (Pressemitteilung SPD 20.06.2005)

Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft laufen noch. Auf ihrer Homepage lässt die Lokal-CDU verlauten, dass man sich Konsequenzen für die Parteimitglieder für das Ende der Ermittlungen vorbehalte. Was auch immer das heisst, nicht ohne Ironie ist das Banner in der rechten Leiste mit Verweis zum sogenannten “Team Zukunft” – eine der online Wahlkampfplatformen der CDU – unter der Überschrift “Politikwechsel”. Nein, danke. Das wäre wirklich ein Wechsel zurück zu der Partei, die wie keine andere für politische Skandale, Intrigen und Affären steht; da macht die lokale Mannheimer Miniaturausgabe keine Ausnahme sondern deutet nur an, wie sich dies durch alle Ebenen der CDU durchzieht. Gleichzeitig muss man ja dankbar sein, lässt doch gerade die Web-Affäre einen Einblick ins politische Alltagsgeschäft zu und zeigt damit, mit welchen Mitteln der Typ des profilneurotischen Karrierepolitikers bereit ist, sich in der sogenannten “Ochsentour” durch die Ebenen und gegen politische Gegner und Parteifreunde durchzusetzen. Ein Fall zum etwas Schmunzeln, dieser hier. Andere Skandale der CDU waren das nicht.

gimme it

President Bush agreed yesterday to share civilian nuclear technology with India, reversing decades of U.S. policies designed to discourage countries from developing nuclear weapons.

U.S., India May Share Nuclear Technology

Auch in der Außenpolitik will die Union im Falle eines Wahlsiegs alles anders machen: Die von Bundeskanzler Schröder geschmiedete Achse Paris-Berlin-Moskau soll abgeschafft werden – den USA zuliebe.

sueddeutsche.de

Was man so alles lesen muss nach einigen Tagen ohne News … noch dazu in solcher Kombination …

Eine weitere Hürde genommen

Nach Abgabe der Magisterarbeit im Juni hatte ich heute die mündlichen Prüfungen in Politik zu den Themen “Vergleichende Politikwissenschaft USA-BRD” und “Außenpolitik der USA”. Zweieinhalb Tage unter Adrenalinstrom liegen hinter mir. Konnte ich am Samstag den Gedanken an Prüfung noch zeitweilig verträngen, weil wir mit der Band in Bingen ein Open-Air spielten, ging ab dem späteren Samstag Abend eine ungeheure Nervosität los. Alles bedacht? Was fehlt? Was könnte gefragt werden? Und: Wie ist so eine Prüfung überhaupt?, denn das war die erste Magisterprüfung überhaupt für mich. 5 Minuten vor der Prüfung fühlte ich mich dem Kollaps nahe, so nervös und zittrig war ich. Vergleichbares gab es nur vor einigen Jahren, als ich das Latinum nachholen wollte und scheiterte. Das hat sich heute nicht wiederholt, es gab eine 1,3. Mir wurde nur eine kleine Wissenslücke, dafür aber hohes analytisches Verständnis und Wissen vor allem im Bereich Außenpolitik attestiert. Mann, mann, mann; bin ich erleichtert – zumindest vorerst, weitere Hürden bis zum Abschluß liegen voraus. :)

Guihard Schischer


[Kanzlergenerator; nach der Wahlprognose.]