Tal der Wölfe werde ich mir anschauen. “Aus Prinzip“, wie man sich hier im Badischen oft begründet.
Monthly Archive for Februar, 2006
[eine neue Kategorie für Screenshots, gefunden oder selbst gemacht, die nicht wirklich eines Kommentars bedürfen. Den Anfang macht FOX, gefunden bei mediamatters.org:]


Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass es sich bei der Vogelgrippe — zumindest in gewissem Maße — auch um so etwas wie den goldscheißenden Esel handelt. Tamiflu ist bereits jetzt in aller Munde und auch sonst schaltet der windige Teil der deutschen Werbewirtschaft relativ schnell. Bsp.: Googeln nach “Vogelgrippe” liefert als zweiten Toptreffer die schlichte Seite www.vogelgrippe.ws; was — von der Firma “xdial Software GmbH” (GF: Ralf Hüskes) ins Netz gestellt — in den Suchergebnissen den Eindruck einer echten Informationsseite zum Thema erweckt, entpuppt sich nicht nur schlicht ob des Inhalts, sondern man hat auch die Linksetzungen sehr sparsam ausgewählt. Herr Hüskes setzt in seinem Infotext, der “sich an medizinische Laien wendet”, den Verweis zu der im Screenshot abgebildeten Seite www.pandemie.com/vogelgrippe-pandemie.htm der Firma “ACE Handels- und Entwicklungs GmbH” in Simbach am Inn.

Dort lernt man — wie sicherlich nicht zuletzt auch auf den per Google Adsense (Screenie links) beworbenen Seiten — warum es nötig ist ein wenig Geld in die Hand zu nehmen um sich vor der Grippe zu schützen (http://www.pandemie.com/vg_doch_gefahr.htm):
“WARUM MASKEN KAUFEN? Sanitäts- und Ordnungspersonal muss sich um eine Ausstattung gegen Infektionen wenig Sorgen machen. Es ist aber nicht zu erwarten, dass im Pandemiefall genügend Schutzausrüstung auch für die Zivilbevölkerung zur Verfgüung [sic!] stehen wird.
Sowohl die Wirkung von Medikamenten als auch eines Impfstoffs ist derzeit nicht garantiert. SCHUTZMASKEN ALS GEEIGNETER VOGELGRIPPESCHUTZ ERNEUT BESTÄTIGT: Die französische Regierung geht mit gutem Beispiel voran und lagert derzeit 200 Millionen Stk. Atemschutzmasken von Qualitätsherstellern ein. Interessant ist dabei, dass die Franzosen zumindest 7 Masken pro Person einlagern (was für den Pandemiefall aber auch nicht ausreicht).
Den meisten anderen europäischen Regierungen genügen ca. 0,2 Masken pro Person.”
Mir ist klar, dass sich das direkt eingesetzte Personal (Polizei, Bundeswehr, etc.pp.) schützen muss. Aber wie der obere Screenshot mit dem Foto der Familie deutlich zeigt, ist genau das (b2b bzw. business< ->öffentliche Hand) nicht die beabsichtigte Werbe- und Marketingstrategie. Im Gegenteil: Panikmache und direkt ran an den privaten Verbaucher ist die Devise. Nachvollziehbar, denn wahrscheinlich kaufen die Franzosen woanders ein und die 0,2 Masken pro “anderer europäischer Regierung” bringen nicht die erwünschten Gewinne.
Übrigens: Das Rügener Tourismusmarketing unternimmt derweil aus ebenfalls nachvollziehbaren Gründen Maßnahmen gegen die Panikmache und Frank Patalong hat dem Treiben auf Ebay nachgespürt.
Hier im Süden ist man weit weg von Deutschlands Vogelgrippezone. Fragen stelle ich mir dennoch.
Ein Großaufgebot von Soldaten und zivilen Helfern hat am Dienstag auf der Ostseeinsel Rügen versucht, die weitere Ausbreitung der Vogelgrippe zu verhindern. Mehr als 300 Soldaten sammelten tote Vögel ein, desinfizierten Fahrzeuge und sperrten Fundorte toter Tiere ab. Hinzu kamen laut dem mecklenburg-vorpommerschen Agrarminister Till Backhaus mehr als 150 Helfer des Technischen Hilfswerks, 120 Ordnungskräfte und rund 50 Polizisten. [Reuters]
Notwendige Maßnahmen und Verhinderung einer weiteren Ausbreitung oder purer Aktionismus?
Und während die News-Specials sich hauptsächlich mit der Abschätzung der Gefahr einer Pandemie beschäftigen, bleibt eine der ersten Fragen unbeantwortet:
Wie konnten sich die Rügener Schwäne bloß mit dem gefährlichen Virus H5N1 infizieren? Die Forscher stehen vor einem Rätsel. Denn: Die Vögel haben in Deutschland überwintert – und kamen folglich nicht aus den verseuchten Gebieten. [SPON, 15.2.]
Ganz an der Front der Aufklärer scheint das Friedrich-Loeffler-Institut auf der Ostsee-Insel Riems zu stehen. Dort wird allerdings auch aktive Forschung mit Viren betrieben (Bsp. BSE und auch dem Vogelgrippe-Virus, siehe ZDF Oktober 05 und Wikipedia), was der Insel offenbar schon zu DDR-Zeiten den uncharmanten Titel “Seucheninsel” einbrachte. Als brutalstmöglicher Aufklärer scheidet dieses Institut (und damit ebenfalls das Verbraucherministerium) für mich aus; wie ehemals der hessische Ministerpräsident Koch.
Bleibt erstmal zu hoffen, dass die Warnungen vor einer Pandemie — oder schlimmer, einer Absage der Fußball-WM! — sich als übertrieben herausstellen. Aber im Ernst: Ob der Medienmainstream wohl mal der Frage nachgeht, ob es sich um einen GAU oder tatsächlich “nur Zufall” handelt?
Nachtrag: Das Thema wird jetzt unter dem Stichwort Vogelgrippen-Verschwörungstheorien auf Spreeblick diskutiert.

Mit http://www.mykards.com/pro (Sept.06: offline) lassen sich aus Flickr-Sets ganz ansprechende Flash-Slideshows/Alben basteln. Ja, ich weiß: Flash ist nicht wirklich beliebt. Das Resultat ist dennoch nett anzuschauen und zudem kostenfrei (Spenden möglich).
[Entdeckt bei Ultraviolett. Und für flickr gibt es ja noch mehr Spielereien.]
SAFE: Design Takes On Risk. Ausgesprochen empfehlenswert in unserer unsicheren Zeit. Bsp.:

[Tip von yellow_bubbles]
“Es gibt weltweit Tausende von verbotenen Zonen. Orte, die man nicht betreten und nicht fotografieren darf, weil sie der militärischen oder nachrichtendienstlichen Geheimhaltung unterliegen. Mit diesen Orten beschäftigen sich seit fünf Jahren die in Berlin lebenden Schweizer Künstler Matthias Jud und Christoph Wachter. Sie haben Informationen, Bilder und Kartenmaterial über diese verbotenen Zonen gesammelt. Und das Ergebnis ihrer Arbeit kann man nun auf der Webseite Zone interdite im wahrsten Sinne des Wortes besichtigen.” [Telepolis: Virtueller Rundgang durch Guantánamo]



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