Monthly Archive for Februar, 2006

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MP3 Tip: 31Knots

Die 31Knots aus Portland spielen interessant arrangierten Indierock und veröffentlichen auf dem Label 54°40′ or Fight!. Reichlich selbstbewußt fragt man im Info: “Will 31knots reach a wider audience or will the trend of style over substance, concept over quality, continue to prevail?” Nun, da muss sich wohl jeder Hörer selbst ein Bild machen: 3 Songs in guter Qualität finden sich auf der Band-Homepage, von denen es mir insbesondere “Welcome to stop” angetan hat. Im März und April touren 31Knots auch durch Deutschland:

22.03. Leipzig, Frühauf
23.03. Berlin, Magnet Club
24.03. Dresden, Scheune
25.03. Münster, Gleis 22
26.03. Offenbach, Hafen 2
27.03. Magdeburg, Mikrokosmos
03.04. Hamburg, Hafenklang ticket
07.04. Köln, Gebäude 9

[Außerdem: Eine neue Tonspion Coversong-Compilation und ältere MP3-Tips]

Im Stich gelassen?

Sehr enttäuscht zeigte sich die deutsche Neocon-Fanszene über die Reaktionen der US-Administration zum Karikaturenstreit. Dabei sprach diese hauptsächlich von Verantwortung, Toleranz und Respekt gegenüber den Religionsgemeinschaften. Einige Tage später werden natürlich auch in Amerika weitere Stimmen laut:

Unter dem Eindruck sich mehrender Gewaltausbrüche in Übersee beginnt das State Department seine anfänglich zurückhaltende Position im Karikaturenstreit vorsichtig zu relativieren. (…) In den US-Medien beginnt die Diskussion über den Streit die gewohnten politischen Lager ganz langsam aufzuweichen. Die großen Fernsehsender hatten das Thema anfangs eher vorsichtig behandelt, im Einklang mit ihrer Haltung zu religiösen Symbolen überhaupt, einem in den USA medienpolitisch stets riskanten Thema. Nur drei amerikanische Zeitungen druckten die Karikaturen teilweise nach.

Sollten die meisten US-Medien bei ihren Ethik- und Moralstandards in diesem speziellen Fall bleiben wollen; dem kann Abhilfe geschaffen werden: Thomas Kleine-Brockhoff, Büroleiter der ZEIT in Washington, erklärt dem zögerlichen Ami wie es geht und zu rechtfertigen ist: “How many times have we printed material that Jews might consider offensive in an attempt to define the extent of anti-Semitism? It seems odd that most U.S. papers patronize their readers by withholding cartoons that the whole world talks about. To publish does not mean to endorse. Context matters. (…) On Friday the State Department found it appropriate to intervene. It blasted the publication of the cartoons as unacceptable incitement to religious hatred. It is a peculiar moment when the government of the United States, which likes to see itself as the home of free speech, suggests to European journalists what not to print.”

Wolfgang Münchau (FTD) hetzt auf

“Wolfgang Münchau ist Kolumnist der FTD und der FT. Er schreibt jeden Mittwoch an dieser Stelle.”

Das Grundproblem an sich sind verbohrte Kulturkampf-Prediger wie Wolfgang Münchau. Hat der Kolumnist der Financial Times wirklich zu Ende gedacht, was er da in dem vielbeachteten Blatt von sich gibt? Wie kommt so ein Tendenznazi, zu diesem Thema ganz offensichtlich schlicht ungebildet, an solch eine Position? Und wenn seine Kompetenz bei anderen Themen unbestreitbar ist, warum nimmt ihn in diesem Fall keiner seiner Kollegen zur Seite und sagt “komm, lass’ ma stecken Wolfi; is’ Käse”? Mit solchen (oder solchen — hier mit Folgen) Journalisten in Deutschlands Redaktionen ist leider kein Staat zu machen. Nur Auflage. Nur Geld. Nur Unruhe. Nur Spaltung. Nur Hass. Nur Krieg.

[via lautgeben und netzteil]

Ängste und Vertrauen

Timo weist auf eine Studie des Stern hin, wonach u.a. 60 Prozent der Befragten angaben, sie empfänden die in Deutschland lebenden Muslime nicht bloß als Bereicherung, sondern auch als Bedrohung. 38 Prozent gaben an, Angst vor “dem Islam” zu haben. Endlich gibt es also wieder ein relativ deutliches Feindbild. Das war dem Deutschen ganz offensichtlich viel zu lange abhanden gekommen. Mölln, Rostock und Co. sind lange Geschichte und an Erscheinungen wie den national-befreiten Zonen stört man sich auch nicht so sehr. Weshalb auch? Die beginnen ja nun richtig sinnvolle Einrichtungen zu werden. Ein Leben ohne Angst in heimischer Idylle erwartet einen da. Da streitet man sich ums Bier, nicht um Karikaturen. Und nimmt sicherlich auch nicht folgende Anmerkung zum Karikaturenstreit zur Kenntnis:

Während diese ziemlich handfesten Konflikte in deutschen Interpretationshochburgen immer öfter mit dem Schlagwort “Kampf der Kulturen” ideologisch umkleidet werden, ist man sich offenbar zu vornehm, sich einmal nach den Muslimen umzusehen, mit denen man doch tatsächlich zusammenlebt! Hier ist kein Kampf, schon gar keiner “der Kulturen”, in Sicht. Die hiesigen Muslime hätten sich mit jener aufgebrachten Menge ideell verbünden können, wenn sie sich hier so wenig heimisch, so wenig verwurzelt fühlten, wie beispielsweise diejenigen meinen, die in jedem Kreuzberger Hinterhof eine Parallelgesellschaft heraufbeschwören. Sie erkannten die Provokation, das ja; aber war der Grad ihrer Gekränktheit, ihres Sich-Unverstanden- und Ausgeschlossen-Fühlens so groß, dass sie auch nur in Erwägung gezogen haben, die Flucht ins große fiktive “Wir” mit nahöstlichen Eiferern anzutreten? Keineswegs!
Seit der Ermordung des holländischen Regisseurs Theo van Gogh werden einige nicht müde, das Ende der Multikulti-Gesellschaft zu besingen. Nun, in einem Moment, wo man es am wenigsten erwarten könnte, erbringen die Muslime Westeuropas ihren neuen Heimatländern diesen Vertrauensbeweis. Es wäre mehr als schade, über ihn hinwegzugehen, nur weil sich über die These vom “Kampf der Kulturen” dramatischer diskutieren lässt. [Hilal Sezgin; TAZ]

Hiesige Muslime gehen auf Distanz zu den Extremisten. Die Demo in Köln vor eineinhalb Jahren und die aktuellen Erklärungen unterstreichen dies. Noch sind die Stimmen zu leise, viel zu leise. Hier müssen sich einerseits die Medien für mehr dieser O-Töne öffnen und andererseits müssen muslimische Deutsche auch lernen, dass es wichtiger denn je wird, ihre Positionen gegen Fanatismus stärker zu artikulieren.
Ich persönlich habe jedenfalls deutlich mehr Angst vor der deutschen Nazifratze (die es gibt, wie ich desöfteren erleben durfte) als vor “dem Islam” (den es in dieser Pauschalform, bzw. dem unterstellten Sinne als homogenes Konstrukt, nicht gibt).

We are sorry: Muslime gegen die gewaltsamen Proteste

Feuer, Gewalt und Geschrei sind noch der Fokus in der Berichterstattung über die Proteste gegen die Karikaturen. Es gibt aber kleine Oasen. Z.b. wurde in Aarhus ebenso wie in Beirut gegen die Ausschreitungen demonstriert. Und unter sorrynorwaydenmark.com: We are sorry findet sich eine kleine Webseite arabischer und muslimischer Jugendlicher, die sich für die Auswüchse entschuldigen ohne gleich völlig kritiklos zu werden:

“Let us hope that instead of emboldening the bigots, this sorry affair will bring all open-minded, tolerant and reasonable people from the Arab, Muslim, Norwegian, Danish and European communities together to unite in a continued struggle of reason against prejudice, open-mindedness against bigotry and humanity against racism.”

[via streamtime.org]

Moderate Muslime “wounded in the crossfire between xenophobes and Islamists”

“Jytte Klausen is a professor of politics at Brandeis University and author of The Islamic Challenge: Politics and Religion in Western Europe“, führte für ihre Arbeit viele Gespräche mit europäischen Muslimen und ist zudem gebürtige Dänin. Beste Vorraussetzungen also, interessantes und differenziertes zum weiter schwelenden Karikaturenstreit beizutragen. Das gelingt ihr in einem Artikel, den die englische Ausgabe des SpOn von salon.com übernommen hat.

Zur Lage der Geisteswissenschaften

Die Kritik an den Geisteswissenschaften wächst. Im Exzellenzwettbewerb, der die besten Universitäten und Forschungsideen auszeichnen soll, sind die meisten geisteswissenschaftlichen Anträge bereits in der Vorauswahl gescheitert. Kulturwissenschaftler, Philosophen und Philologen klagen über Stellenstreichungen und das Wegbrechen ganzer Disziplinen. Mit Spannung wurden deshalb die Empfehlungen des Wissenschaftsrats zu den Geisteswissenschaften erwartet. Nun liegt die Expertise des höchsten Beratungsgremiums in Fragen der Forschung und Lehre vor – mit überraschendem Ergebnis.

Im Interview mit der ZEIT räumen der Kunsthistoriker Horst Bredekamp und der Historiker Ulrich Herbert mit manchen Vorurteilen auf, spielen aber gleichzeitig so manches Problem herunter (Beispiel München).

Der alltägliche Rassismus

…findet sich nicht nur bei den allseits bekannten braunen Blogchartstürmern, beim Säufertreff am Kiosk um die Ecke, sondern auch in den Meldungen mancher Agenturen.