Monthly Archive for März, 2006

Demo am 8.4. in Mannheim

8.4.2006: “Läuft nicht! Versuch eines bundesweiten Naziaufmarschs in Mannheim. Das “Aktionsbüro Rhein-Neckar” mobilisiert bundesweit zu einem Aufmarsch nach Mannheim für den Holocaustleugner Ernst Zündel. Sie erwarten dazu mehr als 1000 Teilnehmer. Wir rufen alle auf sich dem in den Weg zu stellen. Es gibt eine Demo, die um 10 Uhr am Gewerkschaftshaus startet. Danach findet den ganzen Tag ein Kulturfest in der City statt.” [Webseite der Kampagne, Timo]

Anm.: Der Aufmarsch der Rechtsextremisten bleibt indes verboten.

Getäuschter Arnulf Baring?

Ja, so sind sie, unsere “populären Wissenschaftler”. Den Experten zu allen Themen geben aber nicht mal in der Lage dazu sein, kurz zu googlen* oder sich andersweitig zu informieren, wenn man auf einen Vortrag eingeladen wird und bevor man zusagt.

Mit einem Vortrag wollte Arnulf Baring einen Verein zur Förderung einer Schule im ostpreußischen Trakehnen unterstützen. Was der Historiker nicht wusste: Seine Gastgeber sind ein Fall für den Verfassungsschutz. [Spiegel Online]

Vielleicht hat er es wirklich nicht gewußt. Vielleicht aber doch. Jedenfalls spült die erwähnte Google-Suche nach dem “Schulverein zur Förderung der Russlanddeutschen in Ostpreußen e.V.” Einträge auf dem Informationsdienst gegen Rechtsextremismus, eindeutige Bundestagsdrucksachen von 1996(!) und beliebte Schimpfworte wie Hohmann (u.v.m. zur Einschätzung dieses Vereins als rechtsextremer Haufen) hervor. Nun denn. Wer sich unbedingt einen Vortrag mit dem Titel “Es lebe die Republik! Es lebe Deutschland” (der klassische Song zu diesem Thema ist ja dieser) anhören will, den wird es nicht stören, dass der Vortragende Herr Baring nicht wirklich auf der Höhe der Zeit ist. [siehe auch stern.de ? Artikel ist bei stern.de verschwunden]

* Und die Klügsten brauchen schließlich weder Google, noch die Wikipedia. Diese schlauen Denker.

Nachtrag 5.4.: Baring hat erneut an anderer Stelle viel “Nichts” zu sagen. Liebe Leute, die ihr nach der BILD-Lektüre massenhaft nach dem Herrn googelt: Schaut genau hin. Und lasst euch nicht für dumm verkaufen!

Flacher Wahltag

Darum genügen mir auch zwei kleine Verweise. Alles, was man über den gestrigen Wahltag wirklich wissen muss, steht im Prinzip hier:

Da lacht sie sich schlapp, die politische Klasse, und klopft sich triumphierend auf die Schenkel. Wir haben’s geschafft! Der Wähler stört uns nicht mehr, seitdem wir uns auch öffentlich verbündet haben. Politik versteht sich als geschlossenes Handlungssystem – der Herr Wulff hat’s gestern unverblümt ausgesprochen – und zieht ihr Selbstverständnis aus dem Problemelösen, nicht mehr aus dem Beitrag zur politischen Willensbildung des Volkes.

Und dort:

Wenn scheinbar inhaltliche Fragen und Parteiprogramme keine Rolle mehr spielen, wo Sozialabbau, Rentenkürzungen und Streichung im Gesundheitswesen scheinbar Naturgesetze und keine politischen Streitfragen mehr sind, überlegen sich viele Bürger, warum sie dann überhaupt noch wählen sollen, und bleiben zu Hause.

WDH

“One of my favorite tactics is to tell the people the same words over and over again” (GWB in einem grandiosen Zusammenschnitt seiner Reden bei der Daily Show.)

Emancipate yourselves from mental slavery; None but ourselves can free our mind.

(Bob Marley)

The German word for line is Schlange

Die internationale Ausgabe des Spiegel Online erklärt dem englischsprachigen Leser seit einiger Zeit “die Deutschen“. Dort lernt man z.B., dass des Deutschen Hund überall hinscheißen darf, jeder Deutsche sich hinterm Steuer wie Ferraris Michael fühlt, die Sache mit “in Reih’ und Glied” nicht mehr so gut funktioniert wie noch vor 70 Jahren und dass der Blickkontakt beim gegenseitigen zuprosten mit Bier das eigentlich Entscheidende beim Saufen ist.

Die Artikelserie schwankt so zwischen “zum schmunzeln” und einem großen “gähn”; interessant ist aber, wie offensichtlich Stereotypisierung ist, wenn es sich um die eigene Kultur/Gesellschaft handelt. So ist der ironische Unterton in den Artikeln auch nicht wirklich zu überlesen. Geht es aber um “die Amis”, “die Moslems” und alle anderen Großkonstruktionen, dann bleibt man als deutscher Schreiberling doch allzu leicht im ernsten Ton und verkauft auch mal ein Stereotyp als allgemeingültige Realität oder unveränderliches kulturelles Stigma. Aber ich schweife ab….

Bewerbungstips

Peter Mühlbauer nimmt sich der Bewerbung an und macht sich ein paar Gedanken über diese als Ritual unserer Zeit:

Die Bewerbungsmappe und das Bewerbungsfoto dienen dann als (auch finanziell deutlich spürbares) “Opfer”, die immer strengere Form der Bewerbung, in mehrwöchigen Zwangskursen vom Arbeitsamt gelehrt, als “Ritual”. Hinzu kommt, dass die Bewerbungstechniken, wie in der Magie üblich, als Geheimwissen übermittelt werden — was sich bereits an der Auskunftsfreudigkeit der Arbeitsagentur oder ihrer ausgelagerten Veranstalter gegenüber der Presse gut beobachten lässt. Sowohl das in Agentur umbenannte Arbeitsamt als auch die privaten Kursveranstalter blieben eine Antwort auf die Frage was nun genau in den mehrwöchigen Bewerbungskursen vermittelt wird schuldig.

Für eine zweistündige Hochschulabsolventen- und Akademikerrunde, der ich vergangene Woche im hiesigen Arbeitsamt beiwohnen durfte, kann ich die vermittelten Inhalte gerne nachreichen. Handfeste Tips zu den Bewerbungstechniken waren u.a., dass man ein Anschreiben und einen Lebenslauf bräuchte (I didn’t expect that!); letzterer solle 2 Seiten nicht überschreiten. Insbesondere hängen geblieben sind aber die Stichworte zu der Frage, was denn nun konkret da rein gehöre und zu schreiben wäre: “beschönigen, ausbauen, kleine Lügen” und alles weitere in dieser Richtung sei ok. Nur bitte nicht soviel davon, dass man sich aus der selbstkonstruierten Verstrickung im Bewerbungsgespräch nicht auch wieder herauswinden könnte.

Nun, auf die Idee kommt ja schließlich auch keiner von selbst. :o

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