Monthly Archive for Oktober, 2006

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Feedburner Plugin

Ich habe gestern das Wordpress Feedburner-Plugin von ordered list installiert. Was macht’s?

Using some WordPress plugin magic, and user agent detection, this plugin simply forwards all your feed traffic to FeedBurner.

Falls es das wider Erwarten nicht macht oder es Probleme bei euch mit meinem Feed geben sollte, dann gebt mir bitte kurz Nachricht.

Fotopost von Spreadshirt

Post aus Leipzig (von Spreadshirt)

Fotopost von Spreadshirt für codeME. Thx.

Been late

Ich war spät dran, so ca. 1996. Dabei ging das Internet ja schon 1993 tierisch ab*. [via Spreeblick und einigen anderen.]

* Bzw. noch früher: Continue reading ‘Been late’

Was soll man machen? .de war bereits vergeben.
[inspired by Beetlebum, a PR-desaster and a job interview -- but not yet (really) online!]

Divergente Blogosphäre

Divergenz (f.) bezeichnet allgemein die Auseinanderentwicklung zweier Objekte (auch: Objekten [wz]) oder Prozesse, ausgehend von einem Ursprung und stellt damit das Gegenteil der Konvergenz dar.

Die Edelman-Debatte spült sie mal wieder etwas mehr an die Oberfläche: Die Meta-Debatte über das Bloggen, oder wie ich es im vorangegangen Eintrag genannt habe, die Frage nach der Blogkultur.

Die Ethnologie versteht Kultur in allen ihren Facetten als einen Prozeß — nicht als ein feststehendes, unabänderliches Faktum. Dies ist auch mein persönlicher Ansatz bei meiner Weblogforschung. Als follow-up zu meiner Magisterarbeit, in der ich Weblogs mehr oder weniger in einfacher Art und Weise erklärt, in größeren Kontext gestellt, für den Einsatz im Bereich der Medienethnologie plädiert und den damaligen Forschungsstand festgehalten habe, soll im kommenden Jahr meine aktuelle Arbeit veröffentlicht werden. Diese trägt derzeit den Arbeitstitel: “Weblog-Divergenzen: zwischen Corporate Blogs, Informationsmanagement und den neuen Playern im globalen Medienmix.”

Im Zusammenhang mit der angeführten Diskussion um die Crap-100 habe ich jetzt nochmal über einen Text gelesen, den ich bei der ersten Lektüre vielleicht etwas unterschätzt hatte: “Zugriff verweigert” von Geert Lovink, eine gekürzte Zusammenfassung der Einleitung seines Buches “Zero Comments”, das 2007 erscheinen soll. Einen anderen Artikel von Lovink hatte ich unter der Überschrift Blogger als Netzzyniker auf der Suche nach Wahrheit auf diesem Blog bereits erwähnt; berechtigte Kritik an seinem Text kam u.a. von Sylvia Egger.

“Zugriff verweigert” indes regte auf Spreeblick bereits vor einigen Wochen eine lange Diskussion über die Web2.0-Ökonomie aus. Als zentrale These von Lovinks Text zog Johnny heraus:

Der “Segen” von Web 2.0, Social Networks, Medienumwälzung, “Graswurzel”-Dies und Das… alles Blödsinn. Denn solange mit der Veränderung von Produktionsmethoden und -möglichkeiten nicht auch neue ökonomische Modelle einhergehen, solange wird sich gar nichts ändern. Das Geld nämlich, das nunmal, like it or not, einen erheblichen Einfluss auf unser Leben im Kapitalismus hat, wird weiterhin dort verdient, wo es schon immer verdient wurde: Bei den Aggregatoren der Inhalte, nicht bei den Produzenten.

Mir sind nun bei der erneuten Lektüre noch 2 andere Stellen ins Auge gesprungen. Zur Edelman-Debatte passt die folgende ganz gut:

Anstatt die Qualität der Produktion und die Kultur des Schreibens, Tagebuchführens und der Reflexion ins Zentrum zu stellen, sind Blogs in einen gnadenlosen Konkurrenzkampf um Aufmerksamkeit geraten, die an der Zahl der Links und »Freunde« gemessen wird. Die Blog-Software hat Millionen Nutzern weltweit eine einfach zu bedienende Publikationsmöglichkeit an die Hand gegeben und so die »Vermassung« des Internet gefördert. Doch schon 2005 wurde die Blogsphäre von einer maßlosen Überhitzung erfasst. Die nächste Welle des Netz-Chauvinismus rollte an. Die Blogs verloren ihren locker-hedonistischen Zug und die ersten begannen, sich nach etwas anderem umzusehen. Der sarkastische Unterton vieler Postings verschwand und machte einer glatten Selbstvermarktung Platz, die gemeinsame Bestimmung von Nachrichtenthemen, wie während der Wahlkampagne von Howard Dean 2003, wurde von einem prekären Blogging nach dem Motto »How To Make Money With Your Blog« abgelöst.

Man kommt nach den Ereignissen dieser Woche kaum umhin, dieser Einschätzung zuzustimmen. Die andere Stelle, die mich eher in Bezug auf meine eigenen aktuellen Fragestellungen angesprochen hat, lautet:

Zehn Jahre nachdem die Internetkultur populär geworden ist, wird sie von widersprüchlichen Kräften derart auseinandergerissen, dass man nicht mehr von allgemeinen Trends sprechen kann, sei es zum Guten oder zum Schlechten. Denn während permanente Veränderung herrscht und strikte Kontrollregime eingeführt wurden, geben die monatlich zig Millionen neuen Nutzer dem Medium immer wieder überraschende Wendungen, indem sie sich mit Vergnügen bestimmte existierende Anwendungen und Dienste aneignen, wie es kein Marktbeobachter jemals hätte ahnen können.

Diese entgegensätzlich ziehenden Kräfte versuche ich — auf Weblogs bezogen — mit dem Begriff “Divergenzen” zu fassen. Lovink zitiert die Vorstellung, dass es im wesentlichen 2 Zugrichtungen gibt: Eine hin zu totaler Offenheit (Daten, Systeme und die User selbst betreffend) und die andere zu einer neuen Art von Geschlossenheit.

Lovink liest sich durchaus kompliziert und wie die oben verlinkte Kritik zeigt, geht er gelegentlich von falschen Grundannahmen aus. Dennoch steckt in seinen Texten über Weblogs doch auch immer ein “mehr” an Reflexion über Blogs, als sich in anderen Artikeln oder Essays finden lässt. Ich lese bestimmt nochmal darüber bzw. warte gespannt auf das ganze Buch.

Edlerabsturz

Wie, du weißt nicht, was eine Blogroll ist? Dann lasse es dir doch erklären, am besten vom Weblogexperten Wolfgang Lünenbürger (dem Haltungsturner). Irgendwann in diesem Round-Table-Gespräch erklärt er das nämlich. Nachdem es zuvor eine Präsentation der aktuellen Technorati-Daten zu sehen gab, die mit Sicherheit eher erklärungsbedürftig gewesen wäre.
Was lief da ab, nachdem die schlecht gemachte Auswertung der Technorati-Zahlen durch die PR-Agentur Edelman (deren Blogexperte Herr Lünenbürger ist) diese Woche für ordentlich Kritik gesorgt hatte? Der Round-Table-Teilnehmer popkulturjunkie bringt es auf den Punkt:

Um es klar zu sagen: Es war ein Fehler, an der Runde teilzunehmen. Immer wieder wurde beteuert, man wolle uns zuhören, wolle lernen. Alles Quatsch. Wir wurden verheizt, damit man sich bei Edelman mit Authentizität schmücken konnte. Letztlich waren die 90 Minuten – Ihr braucht sie Euch nicht anschauen, ehrlich – völlig vertane Zeit. Der Technorati-Marketing-Hansel (der mich besonders enttäusch hat) hat knallhart eine Stunde lang seine dummen Zahlen vorgestellt (”Wir bezeichnen die ‘Top 100′-Blogs einfach mal als Blogosphäre und teilen sie in fünf Kategorien auf”), sie mit Zitaten garniert, die niemand hören wollte und reagierte auf kritische Fragen pikiert und iritiert. Und als später tatsächlich so etwas wie eine Diskussion entstand, redete man völlig aneinander vorbei und war wohl froh, als es zu Ende war.

Die anderen teilnehmenden Blogger äussern sich ebenfalls:
Nico Lumma bringt einige Gedanken zu Blog, dass Webloganalyse als Thema an sich durchaus spannend sein kann — da stimme ich zu. IX hat sich gelangweilt. Auf Spreeblick rückt Johnny die Relevanz von Technorati zurecht. Eine Zusammenfassung liefert The Turkey Curse.

Ich denke, hier tut sich im Grunde ganz einfach eine alte Kluft auf, nämlich jene zwischen quantitativer und qualitativer Analyse. Technorati’s Zahlenwerk basiert auf automatisierter Zählung und ist ausgesprochen fehlerbehaftet, worauf der popkulturjunkie ja hingewiesen hat. Der Haltungsturner ist als Experte damit überfordert, diese Zahlen selbst zu interpretieren und zu bewerten — Technoratis Eigenbewertung wird als Maßstab akzeptiert. Ein einziges Mal während der Diskussion unternahm er (als “Host” bzw. Diskussionsleiter) den halbherzigen Versuch, das Wort einem der anwesenden Blogger zu übergeben während der Technorati-Mann bereits wieder am ausholen war.

Doch selbst mit einer fundierten Analyse der Zahlen, wären die Ergebnisse noch nicht qualitativ und wüden sich die Blogger im Zahlenwerk nicht “wiederfinden”. Dazu müssten die Aussagen der Blogger in eine Analyse einfliessen. Auch, wenn es nur eine Aussage wie “your Top-100 is crap” ist (abgesehen davon, dass von anderen in der Runde wirklich andere bedenkenswerte Gedanken geäussert wurden — oder jeden Tag aufs neue in der Blogosphäre die Metadebatte weitergeführt wird). Mir ist bewusst, dass dies dann sehr weit führt und eine PR-Agentur andere Interessen (schnell die “Bedeutung und Einfluß” messen — ohne kontextuelle Einordnung) hat. Nur: Bedeutung und Einfluß der Blogs lassen sich mit dieser Strategie nicht erfassen. Dazu ist notwendig neben den “Zahlen der Blogosphäre” auch die “Kultur der Blogosphäre” zu analysieren und zu verstehen. Heisst: Meine Fragestellung lautet eher, warum wird gebloggt und werden Blogs gelesen, wie werden Blogs tatsächlich genutzt, oder auch: was sind die “Praktiken des Bloggens” (Jan Schmidt’s Ansatz) — weniger, worüber und was gebloggt wird und wer dabei den längsten die besten Zahlen hat.

Erst die Suche nach persönlichen Motivationen und Relevanzen führt zu einer Antwort auf die Frage nach einer “Bedeutung und Einfluss”. Sifry’s Alerts und alles andere Zahlenwerk von Technorati sind daher eigentlich nur reine Basisdaten, die anzuschauen sich durchaus lohnt. Oder anders: Eine statistische Top-Liste zu präsentieren ist das eine, das andere ist aber Einfluß, Bedeutung oder Relevanz zu beschreiben. Ehrlich gesagt, ich konnte auch ganz oft schmunzeln während dieser Debatte: It’s entertaining, interessant und für den Prozeß der Entwicklung von “Blogkultur” relevant. Ein Schritt nach außen, das Ganze in diesem größeren Zusammenhang betrachten; das ist wohl die Aufgabe von Weblogforschern aus den Sozial-, Verhaltens- und Kulturwissenschaften und von einer von besorgten Kunden zu schnellen Lösungen getriebenen PR-Agentur nicht zu leisten.

[Und das ist nicht als persönliche Kritik am Haltungsturner zu verstehen, den ich nach wie vor z.B. für seinen Einsatz gegen die politisch weit rechts stehenden Weblogs schätze. In der amtlichen Liste der Top-Blogberater wird er allerdings nicht mehr weiterhin empfohlen, allerdings in deutlicher Abgrenzung zu Edelman (danke, Don). Eher für kleine PR-Agenturen am Rande der Stadt.]

P.S.: Am Ende ist das aber alles nix gegen das, was Edelman in den USA so treibt: Dazu äussern sich neben vielen anderen der Don (hart) und Robert Basic (soft).

Musikantenstadl erforscht

Der Musikantenstadl im Lichte der Wissenschaften: Nach dem Motto “sie beforschen uns” warf ein internationales und interdisziplinäres Forscherteam einen Blick hinter die Kulissen der erfolgreichen TV-Sendung. In der “Stadl-Familie” finden Menschen längst vergessen geglaubte Werte: Treue, Sicherheit, Geborgenheit, Stabilität und eine klassische Rollenverteilung von Mann und Frau. Die Untersuchungsergebnisse belegen, dass es gerade die sozialen und wirtschaftlichen Ungewissheiten der Moderne sind, die den Musikantenstadl so erfolgreich machen. Die Betrachtung durch den “fremden Blick” bietet Erkenntnisse über österreichische Identitäten und Konstruktionen alpiner Populärkultur, die für einheimische Forscher vielleicht unerkannt geblieben wären. [EVIFA-News]

Ich habe mich schon lange gefragt, was die ungebrochene Popularität der Volksmusiksendungen ausmacht. Das Buch sollte ich mir also zulegen.

Wolf Lepenies erhält Friedenspreis

Wenn wir glauben, die Ursachen des Terrors einzig in den “Kulturideologien fremder Völker” finden zu können, sind wir längst Kombattanten im “Krieg der Kulturen”, den die Fundamentalisten herbeibomben wollen.

Dies sagte Wolf Lepenies in seiner Rede anlässlich der Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels. Auszüge der eindringlichen Rede, bei der fast jeder Satz zu unterstreichen ist, lassen sich auf der TAZ nachlesen.