Barcamp unplugged

Mein erster Tag auf einem Barcamp. Eigentlich sollte es der Anlass gewesen sein, hier auf woweezowee endlich mal wieder etwas gehaltvolleres zu bloggen, als das in den letzten 3, 4, 5 oder 6 Monaten der Fall war. Nur leider funktionierte der WLAN-Zugang an der Mannheimer Hochschule nicht. Der Rest: Toll organisiert, wenn auch für Barcamp-Neulinge nicht gleich jeder Ritus auf Anhieb zu durchschauen ist. Nicht wirklich hilfreich ist es, wenn ein bis in die Haarspitzen motivierter Barcamp-Profi wie Oliver Gassner aus hinterster Reihe in die sich gerade einander vorstellende Runde brüllt: “Warum machen wir es denn nicht wie immer?”. Aha, denkt man sich, bis es dann jeder macht so wie es offenbar immer jeder macht und zum Namen noch 3 persönliche Tags nennt.

Herrn Gassners Vortrag “Werbung auf Blogs / Geld verdienen mit Blogs”, den er zusammen mit dem sympathischen Schweizer Trigami-Blogger Roman Hanhart abhielt, spielte sich dann leider auf eben jenem Niveau ab, das mit dem Schrei in die Runde innerhalb der ersten halben Stunde bereits von ihm vorgegeben worden war. Sagen wir es so: Bei diesem kontroversen Thema die grundsätzlichen Fragen (für und wider, Veränderungen der Blogkultur durch Kommerzialisierung etc.) einfach gänzlich auszublenden, halte ich persönlich für mehr als ungeschickt. Eine Runde, die sich ausschliesslich damit beschäftigt, wie man am ehesten am meisten Geld mit seinem Blog verdienen kann, ein Vortag der allseits bekannte Binsenweisheiten über den Zusammenhang zwischen Arbeitsaufwand und Erfolg oder über Einnahme-Zahlen zu verschiedenen Werbemodellen wiederkäut, kann man sich eigentlich sparen. Da findet man einerseits Googles Markstellung zu dominant, kritisiert das Adsense-Modell und spielt an der ein oder anderen Stelle sogar mit dem Gedanken an ein gänzliches Aussperren von Google, bringt andererseits aber das Thema “reiner Werbeblogs” ins Spiel, die dann eben – weil das sicher keiner freiwillig liest – ja gerade wieder von Googles überschwappendem Zufalls-Traffic leben sollen. Nun ja. Da fällt dem ein oder anderen in Zukunft sicherlich noch schlaueres ein. Ein Zeitpunkt also, an dem sich meiner einer fragen musste, ob die sowieso knapp bemessene Freizeit hier wirklich richtig investiert ist.

Doch es ging verdammt gut weiter. Auf den Fluren entwickelten sich erste interessante Smalltalks und bald stand die Session “Der Effekt von Crowdsourcing auf traditionelle Entertainmentbranchen – am Beispiel der Plattenindustrie. Sind die Prosumer nach den Tauschbörsen die wahren Killer der “alten” Musikindustrie? (Jonathan Imme und Ryan Rauscher)” auf dem Programm. Musik, Crowdsourcing, Musikindustrie & Co. – Schlagworte, hinter denen wirklich viel steckt (insbesondere in diesem Zusammenhang) und ein Thema, über das man alleine einen ganzen Samstag diskutieren könnte. Jonathan und Ryan präsentierten einen hervorragenden Vortrag, der die wichtigsten Punkte kontrovers anzuschneiden wusste und auf den auch reichlich Feedback aus Reihen der Anwesenden kam. Ich hoffe, ich finde die Zeit darauf genauer einzugehen, sobald der Vortrag oder ähnliches im Netz abgelegt ist oder spätestens, wenn ich das Thema in einem Interview mit den Beiden auf regioactive.de oder anderer Stelle aufgreife.

Ein Thema, das außerdem die knapp bemessene Zeit deutlich überschritt. Daher musste Law2.0 ausfallen (soll aber sehr gut gewesen sein) und der Spalt bis zur letzten Session des Tages mit weiteren Smalltalks überbrückt werden. Sehr angenehm war das besonders mit Matthias vom Numblog und Jonathan Imme.

Leider war ich bei dem Vortrag über “Microformats” dann gänzlich falsch. Nix verstehen. Dennoch bin ich gespannt, ob es auch morgen einige wertvolle Erkenntnisse oder Gedankenanstöße mitzunehmen gibt.

Links zum Barcamp:
Wiki
Flickr /Teilnehmerfotos

2 Responses to “Barcamp unplugged”


  • Ehm, wenn du das Bloggen ohne Geld diskutieren wolltest bzw. die zersetzenden Kräfte des Kapitals auf das Personal Publishing, hättest du das ja ansprechen können, oder? Es ist n Barcamp.

    Reden wir gern drüber.

    Allerdings war das nicht die Fragestellung der Session, hätten wir aber machen können. Oder wir machen es heute.

    Das mit den ‘nur Werbeblog’ ist ein (Gedanken)Experiment. Und genau eine Reaktion auf die Kommerzialisierungkritik bzw. das Thema Trennung von Inhalten und Werbung. Die Googlebemerkung war durchaus etwas sarkastisch. Muss man wohl auch face to face kennzeichnen. Schade, dass du das nicht so verstanden hast.
    Ggf. hast du auch verstanden, dass ich grade NICHT dafür bin (normale) Weblogs mit Werbung zuzupflastern.

    Das mit den 3 Tags macht man um Zeit zu sparen und damit die Leute *so* laut die 3 Worte sagen, dass man auch was versteht. Übrigens. Ich war auch nicht der einzige, der darauf verweis.

    Und bei Barcamps gibt es auch keine ‘Hintere Reihe’ in der man hockt und rumgrummelt. Themen auf den Tisch. ;) (Google mal TZI (themenzentrierte Interaktion), interessantes Konzept ;) )

    Aber ggf. solltest du dich auch nicht in deinen Vorurteilen beirren lassen. Tschuldigung für die störung.

  • Hi! Danke dir für deine Einwände. Es war letztlich eine tolle Veranstaltung, bei der man wirklich viel mitnehmen konnte. Für mich war es nur ein holpriger Start. Bsp. 3 Tags: Es klang einfach raunzig und mehr als unfreundlich. Wenn man dich an allerdings 2 Tage lang erlebt, dann weiss man, dass wohl eher doch nicht einer Boshaftigkeit geschuldet ist – was mein erster Eindruck gewesen war. Thema Bloggen/Geld: Hatte ich mich Roman nach der Session einige Sätze dazu gewechselt. Für mich ist es untrennbar, zumindest wenn man nach wie vom Blogger als einer Person ausgeht: “Trennung von Inhalten und Werbung” ist dann nicht nur eine inhaltliche Frage oder eine der Kennzeichnung etc. Aber das führt mir jetzt zu weit. Vorurteile: Fehlanzeige. Nur Eindrücke. Danke für die Störung ;))

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