Ach ja, da war sich der Spiegel Online mal wieder nicht zu schade für eine geschüttelte Portion Exotismus. Bei so wenig echtem Inhalt darf die Bildergalerie natürlich nicht fehlen. Schon klar.
Archive for the 'Ethnologie' Category
Anders als die Helden des modischen Theorieschrifttums ist es eben immer noch nicht so, dass die typische Erdenbuergerin von einer kreolischen Mutter und einem migrantischen Vater in einem Flugzeug gezeugt und auf einem Flughafen geboren wird, um ihr Leben dann als transnationale Stadtnomadin in Megacities zu verbringen.
Ein teils sehr humorvolles, aufschlussreiches und mit vielen guten Links gespicktes Interview mit Christoph Antweiler über sein neues Buch “Was ist Menschen gemeinsam? Über Kultur und Kulturen”, kulturelle Gemeinsamkeiten, Universalien, Differenzen und zudem auch Lob für Ethnologie in den Blogs gibt es drüben auf anthropologi.info.
Das Rechenzentrum meiner ehemaligen Uni Heidelberg hat einen Blog-Server an den Start gebracht: http://blog.uni-heidelberg.de/.
Erklärungen für Einsteiger gibt es auch.
Welche Theorie liefert die zutreffendste Beschreibung der Geisteswissenschaften? fragt die ZEIT ihre Leser. Im Gegensatz zu Jochen finde ich mich durchaus in den Ergebnissen wieder. Natürlich ist das bei nur 5 Fragen reduziert und heruntergebrochen. Aus den Beschreibungen zu meinem Ergebnis:
“Die Hermeneutik (von griechisch ἑρμηνεύειν: erklären, deuten, interpretieren) ist die Lehre vom Verstehen. Sie befasst sich mit den geistigen Werken und Gebilden, die der Mensch im Laufe der Geschichte hervorgebracht hat. Wichtigster Untersuchungsgegenstand der Hermeneutik war zunächst der Inhalt der Bibel, später folgten auch andere Textsorten. Im 20. Jahrhundert wurde die Methode von Autoren wie Martin Heidegger oder Hans-Georg Gadamer auf andere Bereiche übertragen. Nicht nur Texte, sondern auch Riten, Gesten, wissenschaftliche Theorien oder Weltanschauungen lassen sich hermeneutisch ergründen. Dabei geht die Hermeneutik von der prinzipiellen Unabgeschlossenheit des Verstehens aus. In Texten oder Äußerungen zeigen sich immer mehr Sinn-Schichten, als auf den ersten Blick erkennbar sind. … Kunst, Literatur, Religion oder Wissenschaft, … diese Gebilde übernehmen wir von früheren Generationen, wir können sie aber auch verändern, indem wir bestimmte Gesetze oder Anschauungen neu interpretieren. (…) Ein wesentlicher Bestandteil des Marxismus ist der historische Materialismus. Dahinter steht die Vorstellung, dass das menschliche Leben maßgeblich durch die Geschichte geprägt wird. Wir befinden uns immer schon in Verhältnissen, die andere geschaffen haben und denen wir uns in der Regel fraglos unterordnen. Gesteuert wird die Geschichte durch die sozioökonomischen Verhältnisse, die Produktions- und Arbeitsbedingungen einer Gesellschaft, im Marxismus auch als ‘Basis’ bezeichnet. Kulturwerke, politische Ideen oder religiöse Anschauungen bilden dagegen den ‘Überbau’ – Bereiche, mit denen es die Geisteswissenschaften klassischerweise zu tun haben.”
Ein Interview mit Lorenz animiert mich dazu, doch etwas mehr aus meinen bisherigen Texten und Notizen über Weblogs zu veröffentlichen. Was meine Fragestellungen an das Thema angeht, bleibe ich hier und nun eben auch da dran.
Lilia Efimova veröffentlicht auf ihrem Weblog ein Stück aus ihrem 2007 erscheinenden Buch “Remote relationships in a small world”.
Wie entstehen “weblog-mediated relationsships” ist die Frage; am eigenen Beispiel des Kontaktes mit Andrea (hey, lange nicht mehr gebloggt!) zeigt Efimova dies auf. Ich habe bereits die ein oder andere grafische Darstellung von Efimova benutzt, um verschiedenes rund um Blogs zu erklären. Auch die neue zu diesem Probekapitel ist wieder großartig und auf Flickr auch mit Anmerkungen versehen.
So, what turns familiar stranger-bloggers into blogger-friends? Based on our own case we cannot provide definite answers for everyone, but there are a few factors that did it for us:
Reciprocity. Although it took some time to discover that our interests were crossing and expertise were complementary, the fact that we both saw ways of benefiting from communication was important in developing it further. Vulnerable writing. In our case exposing our own uncertainties in writing turned into deeper trust and better understanding of each other. Choice of media. Although our relationship started through weblogs, later on we employed a variety of tools to communicate. The ability to switch from the open-endedness of blogging in public, to the privacy of email, or the immediacy of Skype has helped to interact in ways that would suit our needs best.
Grab it as long it’s there! Text und Grafiken gehen aufgrund einer merkwürdigen Vereinbarung mit dem Verlag offline, sobald das Buch erscheint.

Was soll man machen? .de war bereits vergeben.
[inspired by Beetlebum, a PR-desaster and a job interview -- but not yet (really) online!]
Divergenz (f.) bezeichnet allgemein die Auseinanderentwicklung zweier Objekte (auch: Objekten [wz]) oder Prozesse, ausgehend von einem Ursprung und stellt damit das Gegenteil der Konvergenz dar.
Die Edelman-Debatte spült sie mal wieder etwas mehr an die Oberfläche: Die Meta-Debatte über das Bloggen, oder wie ich es im vorangegangen Eintrag genannt habe, die Frage nach der Blogkultur.
Die Ethnologie versteht Kultur in allen ihren Facetten als einen Prozeß — nicht als ein feststehendes, unabänderliches Faktum. Dies ist auch mein persönlicher Ansatz bei meiner Weblogforschung. Als follow-up zu meiner Magisterarbeit, in der ich Weblogs mehr oder weniger in einfacher Art und Weise erklärt, in größeren Kontext gestellt, für den Einsatz im Bereich der Medienethnologie plädiert und den damaligen Forschungsstand festgehalten habe, soll im kommenden Jahr meine aktuelle Arbeit veröffentlicht werden. Diese trägt derzeit den Arbeitstitel: “Weblog-Divergenzen: zwischen Corporate Blogs, Informationsmanagement und den neuen Playern im globalen Medienmix.”
Im Zusammenhang mit der angeführten Diskussion um die Crap-100 habe ich jetzt nochmal über einen Text gelesen, den ich bei der ersten Lektüre vielleicht etwas unterschätzt hatte: “Zugriff verweigert” von Geert Lovink, eine gekürzte Zusammenfassung der Einleitung seines Buches “Zero Comments”, das 2007 erscheinen soll. Einen anderen Artikel von Lovink hatte ich unter der Überschrift Blogger als Netzzyniker auf der Suche nach Wahrheit auf diesem Blog bereits erwähnt; berechtigte Kritik an seinem Text kam u.a. von Sylvia Egger.
“Zugriff verweigert” indes regte auf Spreeblick bereits vor einigen Wochen eine lange Diskussion über die Web2.0-Ökonomie aus. Als zentrale These von Lovinks Text zog Johnny heraus:
Der “Segen” von Web 2.0, Social Networks, Medienumwälzung, “Graswurzel”-Dies und Das… alles Blödsinn. Denn solange mit der Veränderung von Produktionsmethoden und -möglichkeiten nicht auch neue ökonomische Modelle einhergehen, solange wird sich gar nichts ändern. Das Geld nämlich, das nunmal, like it or not, einen erheblichen Einfluss auf unser Leben im Kapitalismus hat, wird weiterhin dort verdient, wo es schon immer verdient wurde: Bei den Aggregatoren der Inhalte, nicht bei den Produzenten.
Mir sind nun bei der erneuten Lektüre noch 2 andere Stellen ins Auge gesprungen. Zur Edelman-Debatte passt die folgende ganz gut:
Anstatt die Qualität der Produktion und die Kultur des Schreibens, Tagebuchführens und der Reflexion ins Zentrum zu stellen, sind Blogs in einen gnadenlosen Konkurrenzkampf um Aufmerksamkeit geraten, die an der Zahl der Links und »Freunde« gemessen wird. Die Blog-Software hat Millionen Nutzern weltweit eine einfach zu bedienende Publikationsmöglichkeit an die Hand gegeben und so die »Vermassung« des Internet gefördert. Doch schon 2005 wurde die Blogsphäre von einer maßlosen Überhitzung erfasst. Die nächste Welle des Netz-Chauvinismus rollte an. Die Blogs verloren ihren locker-hedonistischen Zug und die ersten begannen, sich nach etwas anderem umzusehen. Der sarkastische Unterton vieler Postings verschwand und machte einer glatten Selbstvermarktung Platz, die gemeinsame Bestimmung von Nachrichtenthemen, wie während der Wahlkampagne von Howard Dean 2003, wurde von einem prekären Blogging nach dem Motto »How To Make Money With Your Blog« abgelöst.
Man kommt nach den Ereignissen dieser Woche kaum umhin, dieser Einschätzung zuzustimmen. Die andere Stelle, die mich eher in Bezug auf meine eigenen aktuellen Fragestellungen angesprochen hat, lautet:
Zehn Jahre nachdem die Internetkultur populär geworden ist, wird sie von widersprüchlichen Kräften derart auseinandergerissen, dass man nicht mehr von allgemeinen Trends sprechen kann, sei es zum Guten oder zum Schlechten. Denn während permanente Veränderung herrscht und strikte Kontrollregime eingeführt wurden, geben die monatlich zig Millionen neuen Nutzer dem Medium immer wieder überraschende Wendungen, indem sie sich mit Vergnügen bestimmte existierende Anwendungen und Dienste aneignen, wie es kein Marktbeobachter jemals hätte ahnen können.
Diese entgegensätzlich ziehenden Kräfte versuche ich — auf Weblogs bezogen — mit dem Begriff “Divergenzen” zu fassen. Lovink zitiert die Vorstellung, dass es im wesentlichen 2 Zugrichtungen gibt: Eine hin zu totaler Offenheit (Daten, Systeme und die User selbst betreffend) und die andere zu einer neuen Art von Geschlossenheit.
Lovink liest sich durchaus kompliziert und wie die oben verlinkte Kritik zeigt, geht er gelegentlich von falschen Grundannahmen aus. Dennoch steckt in seinen Texten über Weblogs doch auch immer ein “mehr” an Reflexion über Blogs, als sich in anderen Artikeln oder Essays finden lässt. Ich lese bestimmt nochmal darüber bzw. warte gespannt auf das ganze Buch.
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