Da dieses Blog ja seinen Ursprung darin fand, dass ich für meine Magisterarbeit “Das Phänomen Weblogs: Ein Beitrag zur Medienethnologie” selbst Erfahrungen als Blogger sammeln wollte, weise ich hier natürlich auch darauf hin, dass ich auf Mediascapes Auszüge der Arbeit als PDF online gestellt habe.
Genauer: Einleitung, Kapitel 4 und Literatur. Wer nochmal ein paar Bloghighlights aus 2004/2005 nachlesen möchte, wird in Kapitel 4 sicher fündig. Die Literaturliste mag für die ein oder anderen interessant sein, die sich auch für diese Themenrichtung interessieren.
Inhalt:
Einleitung (”Der Krieg ist vorbei, Leute!”).
4. Fallbeispiele: Rolle der Weblogs als Medien
4.1 Öffentlichkeit und Demokratisierungseffekte
4.1.1 Rathergate, Easongate, Gannongate: US-Blogs gegen den Medienmainstream
4.1.2 Die Iranische Blogosphäre: Gegen Zensur
4.2 Weblogs alternativ-journalistisch genutzt
4.3 Blogger als Berichterstatter und Augenzeugen
4.3.1 Statt “embedded” im Irak: Bloggen aus dem Irak.
4.3.2 Augenzeugen der Katastrophe: Tsunamiblogs
7. Literaturverzeichnis
Dieser Kommentar von Claus Christian Malzahn — ebenfalls Erwiderung auf Barings BILD-Interview — überrascht mich sehr; und zwar positiv:
Es ist deshalb höchste Zeit, mit ein paar Mythen aufzuräumen: Weder Rot-Grün oder die naiven Multikulti-Befürworter tragen die Hauptschuld an der jetzigen Integrationsmisere. Der Mann heißt Helmut Kohl. Einwanderungspolitik hat diesen Kanzler, der das Land immerhin von 1982 bis 1998 regierte, trotz türkischer Schwiegertochter nicht interessiert. Eisern wurde am deutschen Blutrecht festgehalten, Einwanderung wurde nicht gesteuert, sondern entwickelte sich anarchisch über das Asylrecht oder den Nachzug von Gastarbeiter-Familien. Für in Deutschland lebende ausländische Kinder galt damals nicht einmal grundsätzlich die Schulpflicht – wer nur “geduldet” wurde, brauchte ja nicht Lesen und Schreiben zu lernen.
Als in Deutschland dann Anfang der Neunziger Jahre in Solingen, Mölln und Rostock-Lichtenhagen Menschen verbrannt wurden und Flammen aus Asylunterkünften loderten – war Kohl nicht da. Der Mann, der so viel über die Macht von Symbolen wusste, ließ sich mit den ausländischen Opfern nicht fotografieren. Er besuchte nicht einmal die Tatorte. Warum? Weil die Opfer keine Deutschen waren? Die Antwort steht noch aus.
Wenn man Artikel von Malzahn desöfteren liest, weiß man, dass er durchaus Schlußfolgerungen zum politischen Zeitgeschehen zieht, denen ich nie zustimmen würde. Aber in der Tat, diese Forderung unterschreibe ich sofort: Aufräumen mit Mythen. Wahrnehmung justieren, Herr Baring, Stoiber, BILD & Co. … ! *
* Ich räume ein, das ist natürlich Unsinn. Da wird eine Agenda verfolgt, die solche Themen nur mißbraucht um ganz andere Ziele zu erreichen.
Es gibt zehn Regeln, an die man sich halten muss, um den Ausländern in Deutschland den Weg zur Integration erfolgreich zu verbauen. Der Politik ist es seit dem Aufruhr über die Zustände an der Rütli-Schule in Berlin gelungen, viele dieser Regeln zu beherzigen.
Die Regeln nachlesen und nicht beherzigen: “Die zweite Deutsche Einheit” auf sueddeutsche.de.
“Between the Grooves” von Joern Mueller: A MA-Thesis in the Social Sciences on the common culture of music lovers and collectors and their distictive behaviour, Heidelberg 2004
[Anm.: Ich wirke bei mediascapes.de mit -- sobald es dort mit Journal oder Blog losgeht, wird sich hier eine Info dazu finden.]
Dazu passend (insbesondere zur Debatte um die Novelle des Urheberrechts) gibt es noch dieses Fundstück: Die Magisterarbeit (selbst noch nicht gelesen) “Internet und Independent Labels” von Peer Göbel, ebenfalls aus 2004.
Die Berliner Rütli-Hauptschule ist nun als Paradebeispiel für gescheiterte integrative Schulpolitik in aller Munde. Natürlich läuft die Diskussion im Rahmen dessen ab, was man in Deutschland unter den Stichworten “Migration und Integration” versteht. Tanjev Schultz kommentiert auf süddeutsche.de:
Politiker reagieren auf die Berliner Schulprobleme wie gehabt: Die einen sind hysterisch, die anderen hilflos. Dabei wäre eine Diskussion über die Struktur und die Kultur des Schulsystems notwendiger denn je. (…) Die einfallslosen Reaktionen vieler Politiker folgen dabei dem gleichen Muster des Unsichtbarmachens: Wer aufmuckt, soll einfach verschwinden. Die einzige Pädagogik, die Politiker wie Edmund Stoiber und Wolfgang Bosbach beherrschen, ist schwarze Pädagogik. Drohen, verbieten, wegsperren, rauswerfen. Der Kampf um Anerkennung, den türkische und arabische Jugendliche führen, wird reduziert auf Gewalt und Gegengewalt. (…) Wichtiger noch als die Struktur ist die Schulkultur. (…) Eine bessere Förderung der Kinder zu organisieren, ist eine nationale Aufgabe.
Deshalb möchte ich Lesern von woweezowee, die sich dem Thema etwas intensiver widmen wollen und dabei auch nicht scheuen, den Blick über den Tellerand hinaus zu wagen, ein umfangreiches und ausgesprochen interessantes Buch ans Herz legen:
Staat – Schule – Ethnizität von Werner Schiffauer, Gerd Baumann, Riva Kastoryano und anderen. Aus der Amazon-Kurzbeschreibung:
“Am Beispiel von Jugendlichen aus türkischen Einwandererfamilien wurde in diesem Buch untersucht, wie der Prozess der politischen Enkulturation in Frankreich, England, den Niederlanden und in Deutschland abläuft. Dazu wurden ethnologische Feldforschungen an Schulen in Berlin, Rotterdam, London und Paris durchgeführt. Dabei stand die Frage im Vordergrund, wie der sozialisatorische Prozess aussieht, durch den ein Individuum die geistigen Vorstellungen und Verhaltensmuster erlangt, die erforderlich sind, um als Mitglied einer politschen Kultur mitzuwirken.”
Auszüge einer Rezension der ZEIT finden sich bei den Perlentauchern.
Diese vergleichende Studie ist sehr umfassend. Bei Örtlichkeiten und Lehrmaterial angefangen, über eine Analyse des Umgangs mit Themen wie Religion, Ordnung, Gerechtigkeit, Autorität und einer Analyse der unterschiedlchen Auffassungen von kultureller Identität hin zu genauerer Betrachtung des Unterrichts und vielen O-Tönen der Informanten aus dem Lehrer- und Schülerkreis, ergeben sich sehr genaue Bilder der jeweiligen Schulsysteme, der Schulkultur und den jeweils verfolgten Ansätzen zur Integration.
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Die internationale Ausgabe des Spiegel Online erklärt dem englischsprachigen Leser seit einiger Zeit “die Deutschen“. Dort lernt man z.B., dass des Deutschen Hund überall hinscheißen darf, jeder Deutsche sich hinterm Steuer wie Ferraris Michael fühlt, die Sache mit “in Reih’ und Glied” nicht mehr so gut funktioniert wie noch vor 70 Jahren und dass der Blickkontakt beim gegenseitigen zuprosten mit Bier das eigentlich Entscheidende beim Saufen ist.
Die Artikelserie schwankt so zwischen “zum schmunzeln” und einem großen “gähn”; interessant ist aber, wie offensichtlich Stereotypisierung ist, wenn es sich um die eigene Kultur/Gesellschaft handelt. So ist der ironische Unterton in den Artikeln auch nicht wirklich zu überlesen. Geht es aber um “die Amis”, “die Moslems” und alle anderen Großkonstruktionen, dann bleibt man als deutscher Schreiberling doch allzu leicht im ernsten Ton und verkauft auch mal ein Stereotyp als allgemeingültige Realität oder unveränderliches kulturelles Stigma. Aber ich schweife ab….
Peter Mühlbauer nimmt sich der Bewerbung an und macht sich ein paar Gedanken über diese als Ritual unserer Zeit:
Die Bewerbungsmappe und das Bewerbungsfoto dienen dann als (auch finanziell deutlich spürbares) “Opfer”, die immer strengere Form der Bewerbung, in mehrwöchigen Zwangskursen vom Arbeitsamt gelehrt, als “Ritual”. Hinzu kommt, dass die Bewerbungstechniken, wie in der Magie üblich, als Geheimwissen übermittelt werden — was sich bereits an der Auskunftsfreudigkeit der Arbeitsagentur oder ihrer ausgelagerten Veranstalter gegenüber der Presse gut beobachten lässt. Sowohl das in Agentur umbenannte Arbeitsamt als auch die privaten Kursveranstalter blieben eine Antwort auf die Frage was nun genau in den mehrwöchigen Bewerbungskursen vermittelt wird schuldig.
Für eine zweistündige Hochschulabsolventen- und Akademikerrunde, der ich vergangene Woche im hiesigen Arbeitsamt beiwohnen durfte, kann ich die vermittelten Inhalte gerne nachreichen. Handfeste Tips zu den Bewerbungstechniken waren u.a., dass man ein Anschreiben und einen Lebenslauf bräuchte (I didn’t expect that!); letzterer solle 2 Seiten nicht überschreiten. Insbesondere hängen geblieben sind aber die Stichworte zu der Frage, was denn nun konkret da rein gehöre und zu schreiben wäre: “beschönigen, ausbauen, kleine Lügen” und alles weitere in dieser Richtung sei ok. Nur bitte nicht soviel davon, dass man sich aus der selbstkonstruierten Verstrickung im Bewerbungsgespräch nicht auch wieder herauswinden könnte.
Nun, auf die Idee kommt ja schließlich auch keiner von selbst. :o
[Nachtrag: Bitte unbedingt den Trackback und die dortigen Links beachten.]

we strongly disagree with and condemn those who promote or practice tyranny and violence in the name of Islam. We hope that their misguided deeds will not blacken our noble religion — which is indeed a path to God and a call for peace.
Das Muslim Manifesto an sich klingt ganz gut. Von Nationalreview übernommen findet es sich seit gestern auch auf der internationalen Version des SpOn. Zu den Initiatoren heisst es da:
Mustafa Akyol is a writer and journalist based in Turkey; Zeyno Baran is director of International Security and Energy Programs at The Nixon Center. In February 2006, she was a “Distinguished Visitor” to the American Academy in Berlin.
NationalReview (Wikipedia) und NixonCenter (Mission Statement), das hat ja schon ein kleines G’schmäckle. Schlimmer wird es allerdings auf dem Blog The White Path von Mitinitiator Mustafa Akyol. Dort kann man erfahren, dass er sich — neben vielen vernünftigen Positionen — mit den konservativen bis rechten Christen verbunden fühlt und so z.B. auch pro Intelligent Design argumentiert. Einen Artikel der LA Times (”Five questions non-Muslims would like answered“) beantwortete er im November u.a. mit dem Apell an moderate Muslime, sich noch mehr Gehör zu verschaffen:
First, Mr. Pager asks, “Why are you so quiet?”, relating to the lack of powerful condemnations from Muslims to atrocities committed in the name of Islam. Well, not all Muslims are quiet and some do speak out, but it is true that this is not enough. The lack of a real strong stance against terrorism among the masses in the Islamic world is a real problem.
Damit hat er vollkommen recht, doch eindeutig schade ist es, dass dieses medienwirksame Manifest nun ausgerechnet aus dieser Ecke des Spektrums kommt. Interessant, gut und in weiten Teilen zustimmingswürdig bleibt dennoch ein wenig Unbehagen zurück. Jedenfalls handelt es sich um keine Stimme “moderater” Muslime; zumindest bringe ich für mich “moderate Religion” nicht mit Intelligent Design überein und das gilt für Islam wie jede andere Religion (Wikipedia: Kreationismus; Die ZEIT: “Warum Intelligent Design religiös motivierter Unfug ist“).
Der SpOn-Artikel verschlimmbessert das Ganze noch mehr, indem die Onlinedebatte im Forum mit der Frage “Is the ‘Muslim Manifest’ an alternative to a clash of cultures?” überschrieben wird. Da ist er also schon wieder, der Kampf der Kulturen. Weil es dieses Konstrukt nicht wirklich gibt und das Manifest nur eingeschränkt tauglich ist, antworte ich also mit: Nein.
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