Archive for the 'Irakkrieg' Category

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“Alles nur Schein”

Es ist, als eine die Iraker lediglich der Tod. Früher war dies der Tod unter der eisernen Faust des Diktators, der in seinen Gefängnissen Oppositionelle liquidieren oder in seinen endlosen Kriegen junge Männer wie Vieh abschlachten liess. Heute ist es der Tod in einer imaginären Demokratie, wo man sich gegenseitig niedermetzelt. (…) Keiner spricht mehr von der wesentlichen Frage: Wie weit ist die Demokratie gediehen? Was für eine Demokratie, in der die Iraker da nach drei Jahren Lug und Trug leben – alles nur (höchst unschöner) Schein!

Eine Bilanz des irakischen Schriftstellers Najem Wali in der NZZ.

Nachtrag 13.4.: Wali legt in der Frankfurter Rundschau nach (”Übergänge sind irakisches Schicksal; Zwischenruf aus einem Land fortwährender Zerstörung. Eine bittere Bilanz nach drei Jahren.).

This multimedia package includes a live webcast of the panel discussion, real-time blogging from around the world, a live chat, and related news. Please explore the entire experience as the panel addresses these issues: How accurately does the media tell the Iraq story? Can the media reflect reality, given the dangers and constraints? Is the agenda dominated by bad news? Do the Arab and Western media tell different stories?

[Details bei Global Voices; via streamtime.org]

WDH

“One of my favorite tactics is to tell the people the same words over and over again” (GWB in einem grandiosen Zusammenschnitt seiner Reden bei der Daily Show.)

a roundup

Man sollte meinen, ich hätte derzeit ganz viel Zeit. Dem ist mitnichten so. Dennoch will ich mal ein paar interessante Links der letzten Tage in einem kleinen Roundup sammeln:

– Marina Ottaway attestiert dem Irak im Interview mit Charles Hawley: “The Country Has Already Collapsed“. Andere Experten verteilen “Ohrfeigen für Bush“. Kommt er wirklich bald oder ist der schon da, der Bürgerkrieg? Selbst optimistische Iraker sehen eine große Gefahr.

– Ich bin dafür, dass für alles rund um die Klinsmann-Abschieds-WM unter dem Tag ‘WM2006′ versammelt und gepostet wird. Irgendwie steigt so ganz langsam Vorfreude in mir auf; trotz aller Unannehmlichkeiten, die diese Weltmeisterschaft mit sich bringt.

– Travor Davis gibt mit Crisis Pictures auf: “I am out of money and out of energy.” Ausgesprochen schade.

– Henner Kirchner veröffentlichte auf dem MENAlog eine vierteilige Serie über arabische Micromedien und wie sie die Wahrnehmung des Westens in der arabisch-islamischen Welt verändern: 1, 2, 3, 4.

– Madrider Anschläge: 2 Jahre ohne Aufklärung.

Prügel

Nachdem ein Video aufgetaucht ist, das angeblich britische Soldaten beim brutalen Verprügeln junger Iraker zeigt, hat die Regierung in London eine Untersuchung angeordnet. (…) Fernsehsender hatten … ein Video ausgestrahlt, auf dem Soldaten in Gefechtsuniformen zu sehen sind, die drei harmlos aussehende Jugendliche in einen von einer Mauer umgebenen Hof zerren und mit Knüppeln verprügeln. Zu hören ist eine Stimme – offenbar die des Kameramanns – die die Soldaten anfeuert. Das Band soll 2004 in der irakischen Stadt Basra aufgenommen worden sein.

Video zeigt Misshandlung junger Iraker; tagesschau.de.

Wanna see? (urgh!) Das wiederbelebte MENAlog kommentiert: “Die Ausführlichkeit der Berichterstattung (in arabischen Medien) zeigt, wie stark diese Ereignisse die arabische Öffentlichkeit aufrütteln. Im Ergebnis wird so das Gefühl bestärkt, Opfer von Ungerechtigkeit, Gewalt und Willkür zu sein, ohne etwas dagegen unternehmen zu können.”

(vgl. auch “Britische Medien wurden “angeführt”” und “Britische Schlägertruppe kam aus Deutschland” auf Telepolis)

Cindy Sheehan auf kurzer “Europatour”

Im August 2005 eroberte Cindy Sheehan, die Mutter eines im Irakkrieg gefallenen US-Soldaten, mit einem wochenlangen Sitzstreik vor der Ranch von George W. Bush in Texas die internationalen Medien. Jetzt besucht Cindy Sheehan für sechs Tage Europa und zum ersten Mal Deutschland. Ihr erster Weg führt nach Aachen zum Aachener Friedenspreis. Cindy Sheehan wird am 9. März im Krönungssaal des Rathauses in einer Veranstaltung des Aachener Friedenspreises im Rahmen der Aachener Friedenstage sprechen und am nächsten Morgen ihre Auftaktpressekonferenz für Deutschland geben.

[weiterlesen bei Klarmanns Welt]

Interview: Eugene Jarecki

“Der Rüstungsetat für das Pentagon soll weiter auf 440 Milliarden USD steigen, zusätzlich fordert das Weiße Haus weitere 70 Milliarden für den Krieg” liest man u.a. auf Telepolis. Hier wie in den USA selbst stellt mancher immer wieder die W-Fragen: Warum, weshalb, wofür? Gerne bleiben die Antworten — spätestens seit dem Irakkrieg — auf Bush-Bashing-Niveau stecken. Aber gibt es vielleicht tiefergehende Gründe innerhalb des politischen Systems selbst? Liegen Amerikas Kriegen, die von der Containment-Politik bis zum Krieg gegen den Terror an der Oberfläche immer mit anderen Argumenten gestützt wurden, systeminterne Verwicklungen zugrunde? Dieser Frage ging Eugene Jarecki in seinem Dokumentarfilm Why we fight (IMDB) nach. Das zentrale Argument gründet sich auf D.D. Eisenhowers Warnung vor dem Militärisch-industriellen-Komplex, der “unheilsamen Bündelungen der Interessen von Politikern, Vertretern des Militärs und Vertretern der Rüstungsindustrie”. Heraus kam eine sehr gute und auf dem Sundance-Filmfestival preisgekrönte Dokumentation mit vielen interessanten Interviewpartnern, wie z.B. dem republikanischen Ex-Präsidentschaftskandidaten und Senator John McCain, der sich ausgesprochen kritisch zu den Verbindungen zwischen Vizepräsident Cheney und dem Unternehmen Halliburton äußert.

Vor kurzem strahlte Arte die Doku aus und ich bin sicher, sie wird irgendwann erneut wiederholt. Bis dahin kann man sich via Antiwar.com ein fast einstündiges Interview anhören, das Scott Horton mit dem Regisseur Eugene Jarecki geführt hat.

Frau O in I

Financial Times Deutschland:

Susanne Osthoff macht es den Deutschen nicht leicht. Erst spricht Osthoff lieber mit Al Dschasira als mit Beckmann oder Kerner. Dann will sie sogar in das Land ihrer Peiniger zurückkehren, anstatt in das ihrer Befreier. Das erscheint unvernünftig und undankbar.

…ist aber genau richtig. Ums kurz zu machen, diese öffentliche Debatte über Frau Osthoffs private Lebensplanung ist einfach unerträglich. Sie bleibt aber offenbar standhaft, entzieht sich nicht zuletzt der lüsternen deutschen Mediengesellschaft, welcher allem Anschein nach der Sinn hauptsächlich nach einem gutem Geschäft mit der Story steht. Stay tough, do your thing! Verstehen Sie? (Telepolis).

“Ich glaube, die Deutschen hassen mich”, sagte Susanne Osthoff in einem Interview mit dem Hamburger Magazin stern. “Keiner steht an meiner Seite, alle versuchen, mich als arme Irre darzustellen, die zwischen Bomben und Minen planlos durch den Irak hüpft.”
Nein, nicht alle.