Archive for the 'Region Mannheim' Category

Kommentar zur Debatte um die Musikhochschulpläne des Landes Baden-Württemberg

“Für Mannheim steht immens viel auf dem Spiel. Es geht um mehr als nur um den Wegfall einiger hundert Studienplätze. Das Mannheimer Modell muss neu ausdefiniert werden, klare Standpunkte bezogen, Unterstützer gewonnen werden.”

bei regioactive.de lesen: “Kratzer im Lack der Musikstadt Mannheim”

Die Masse macht’s – Propagandaschlacht in Mannheim

Katholikentag 2012 Schloss

In Mannheim findet derzeit eine Propagandaschlacht statt. Durchaus subtil, deshalb jedoch nicht weniger vehement.

Taufe genügt nichtBeinahe alle öffentlichen Plätze sind besetzt mit “Info”-Zelten, Bühnen und Menschen, die von den aufgestellten Mikrofonen und Lautsprechern regen Gebrauch machen. Es ist Katholikentag.

Wie bei den jüngsten Querelen in den Fußballstadien dieser Republik ist es auch hier: Viele nette Menschen und Familien säumen friedlich die Straßen, liegen am Neckarufer, schlendern durch die City, lauschen den Vorträgen am Marktplatz, genießen einfach das gute Wetter und suchen nach dem “Dialog”, der ihnen versprochen wurde, mit dessen Ankündigung sie in die Quadrate gelockt wurden. Dazwischen die radikalere Fraktion, mit Schildern, Plakaten und Flyern, Islamhasser, bibeltreue Narren, Kreationisten.

Niemand stellt sie. Im Gegenteil, ihre Ideologien treffen scheinbar auf Verständnis, man tritt in bestätigenden Dialog. Was scheint oberflächlich betrachtet auch falsch am “Gedenken an die ermordeten Christen in der Türkei”? Ein junger Muslim will über Ehrlichkeit, Aufrichtigkeit, Moral und andere Tugenden diskutieren. Hier ist er dafür falsch, nur wenige Meter von seiner Wohnung entfernt.
Gedenken an die ermordeten Christen von 9/11 und danach
Beinahe unsichtbar ein kleines Zelt gegenüber dem Paradeplatz: Aufklärer auf verlorenem Posten. Der Dialog mit ihnen beschränkt sich darauf, dass sie sich Propagandatiraden anhören müssen. Sie ertragen es mit einer respektablen Geduld und stehen ein für ihre Sache. Und der gemäßigte Pilger erträgt ihren Stand mit einem Lächeln.
Aufklärer
So ergibt sich die Subtilität der katholischen Propaganda aus der Tatsache, dass ein großer Teil der Katholiken durchaus sozial engagierte, nette Menschen sind, die eine Leidenschaft teilen und diese in Gesellschaft leben wollen. Doch die Vehemenz der Propaganda schlägt von den Bühnen und den verwirrten Fundamentalisten entgegen. Und natürlich: Die Masse macht’s. Zwischen 40.000 bis 60.000 Gäste sind in Mannheim.
Liedgruppe
“Jesus liebt dich. Jesus saves. Kehre um. Bekehre dich. Gestehe deine Sünden. Lass dich von Jeses retten!” schreit ein junges, unscheinbares Mädchen durch eine kleine Anlage, bevor die christliche Musikgruppe, für die sie auch wirbt, mit ihren dementsprechenden Propagandaliedern loslegt. Der Gesang könnte nicht schiefer sein. Die Bibel ist laut. Sehr laut. Sehr schräg. Domradio berichtet live.
domradio.de
Laut ist es auch am Messplatz. Gefühlt lauter als die Großveranstaltungs-Versuche am Schloss, z.B. HipHop Open, je waren. Die Bühne dort wird beschallt von einer Crossover-Band. HipHop, Rock, Pop und White Metal verschmelzen zu einem Sound, der die jungen Katholiken vor die Bühne treibt. Der Bass bringt die Scheiben des Memo zum vibrieren.
Religionspropaganda eines Ex-LehrersUnd so lernt man dieser Tage in Mannheim nicht nur, wie die Welt wirklich entstanden ist und welch geistiger sowie geistlicher Reichtum an dir unbeachtet vorbeigeht, du Sünder, sondern auch, was in Mannheim alles möglich ist. Leider offenbar nur und erst, wenn eine priviligierte Bevölkerungsgruppe danach fordert. Man wird in künftigen Diskussionen auf diese Tage erneut zu sprechen kommen müssen, wenn wieder Ideen für Veranstaltungen im Herzen der Stadt verworfen werden aufgrund der ordnungsamtlichen Sicht auf die Lage der Dinge. Wenn man will, dann geht’s – auch in Mannheim.

Ich kehre nach zwei Stunden ohne propagandistisches Material in Tüten (Flyer, Kataloge, Infoschriften, …) zurück, raus aus den Quadraten, weg von Schillerplatz, Bahnhof, Wasserturm, Messplatz und all den anderen besetzen Orten im öffentlichen Raum – ich hätte es ja doch nur weggeworfen mit demselben Kopfschütteln, das mir während meines Ausflugs steter Begleiter war.

Mannheimer Teufelsbrücke bleibt wohl bestehen

Hui, endlich mal eine positive Meldung aus der ambitionierten Quadratestadt: Die Teufelsbrücke im Jungbusch bleibt höchstwahrscheinlich erhalten, ganz sicher auch ein Erfolg, der den zahlreichen Protest-Aktivitäten zu verdanken ist. Die letzte Entscheidung über den Abriss der Brücke liegt jedoch beim Finanzministerium Baden-Württemberg.

Die Pressemitteilung der Stadt Mannheim, 25.09.09:

Mannheim. Mehr als 130 Jahre ist sie alt, die Teufelsbrücke im Jungbusch. Als älteste Brücke Mannheims und einzige erhaltene Brücke aus der Hoch-Zeit der Industrialisierung und der Frühzeit der Mannheimer Häfen steht sie bereits seit 1972 unter Denkmalschutz.

Im Frühjahr stellte die Rhein-Neckar Hafengesellschaft Mannheim mbh (HGM) einen Antrag zum Teilrückbau der Teufelsbrücke. Der geplante Ausbau des Hafens bringe ein höheres Verkehrsaufkommen mit sich; um diesem zu begegnen will die HGM die Mühlaubrücke durch einen geschütteten Damm ersetzen. Der Zollhafen soll dann wasserseitig über den Verbindungskanal bedient werden, was den Rückbau der Teufelsbrücke erforderlich mache.

Nach Prüfung der Unterlagen hat die Stadt Mannheim als „Untere Wasserbehörde in Abstimmung mit der Denkmalbehörde“ den Antrag der HGM abgelehnt. „Die Erhaltung der Brücke steht aus wissenschaftlichen, künstlerischen und heimatgeschichtlichen Gründen im öffentlichen Interesse“, erläutert Oberbürgermeister Dr. Peter Kurz die Bedeutung des Bauwerks. Der Antrag der HGM wurde auch deshalb abgelehnt, weil nach Einschätzung der Verwaltung der zunehmende Verkehr auch durch andere Maßnahmen abgefangen werden kann. „Aus dem vorliegenden Verkehrsgutachten geht hervor, dass man auch durch einen Abbiegestreifen in der Werfthallenstraße Richtung Rheinstraße eine erhebliche Verbesserung der Verkehrssituation erreichen kann“, erklärt der Oberbürgermeister. Dies gelte auch für das gesteigerte Verkehrsaufkommen nach einer Erweiterung des Containerterminals.

Dem Ausbau des Containerterminals steht man von Seiten der Verwaltung sehr positiv gegenüber, schließlich ist der Hafen einer der wichtigsten Wirtschaftsfaktoren für Mannheim und die Region. „Die Erweiterung des Containerterminals ist notwendig, um den Mannheimer Hafen zukunftsfähig zu machen. Allerdings sind wir der Meinung, dass beides möglich ist: das Terminal auszubauen und die Teufelsbrücke zu erhalten“, so Kurz.

Kommunalwahl in Mannheim: Wahlbeteiligung von 37,87 Prozent

Die Überschrift sagt es: Knapp 38% aller Mannheimer interessieren sich für die Politik in ihrer Stadt (2004: 41,35 Prozent). Enttäuschend. Dabei war schon alleine das Studium der Listenzettel zum Druchleben aller denkbaren Emotionen wunderbar geeignet. Vielleicht lag es ja auch am Regenwetter, oder…. die beste Erklärung liefert der OB höchstpersönlich:

“(…) es ist aus der Wahlforschung ja bekannt, dass nicht nur Protest und Desinteresse, sondern auch Zufriedenheit ein Grund für eine niedrige Beteiligung sein kann.” (Pressemitteilung von Sonntag, 7. Juni 2009, 23:11 Uhr, Stadt Mannheim)

Das ist natürlich beruhigend. Glück auf!

Das vorläufige Endergebnis:

SPD 32,37 Prozent (17 Sitze)
CDU 31,71 Prozent (16 Sitze)
Grüne 14,07 Prozent (7 Sitze)
FDP 6,83 Prozent (3 Sitze)
Mannheimer Liste 3 Sitze
Linke 2 Sitze.

Die endgültige Sitzverteilung steht allerdings erst nach Feststellung des amtlichen Endergebnisses fest.

Social Webcams

orwell.com ist ein Projekt der Mannheimer Hochschule für Gestaltung. “Mithilfe einer Webcam, die man an seinen Rechner hängt und auf die Straße nach draußen richtet, wird man Mitglied und erhält so Zugriff auf die Webcams aller anderen Mitglieder (deren Zahl allein in Deutschland bei über 60.000 liegt),” sagt Matthias vom Numblog, der in dieses neue Social Network schon hineingeschnüffelt hat. Auch Liveclubs gehören da mittlerweile dazu und so kann man sich manchen Gig live anschauen und just dann vor den Toren des Ladens auftauchen und reingehen, wenn kein Eintritt mehr verlangt wird. Sehr praktisch (is it?). Und die Webcam gibt es obendrein umsonst (really?).

regioactive.de-TV: mbwteyp

In der vierten Folge von regioactive.de-TV unterhält sich Charlotte mit Ziggy Has Ardeur und Eva D. von My Baby Wants to Eat Your Pussy. Diese Band war unter den ersten Abgängern der Mannheimer Popakademie und ist mit Sicherheit auch eines der erfolgreichsten Aushängeschilder der Institution. Viele eingeheimste Preise und eine unüberschaubare Anzahl an deutschlandweiten Livegigs sprechen dafür.


Link: sevenload.com

In diesem Jahr haben MBWTEYP für besonders viel Furore gesorgt: Sie spielten sich auf allen möglichen Festivals sprichwörtlich den Arsch ab. Von kleinen Clubgigs bis zur großen Bühne bei Rock am Ring war alles dabei. Den Stil der Band nennen manche Glam- oder Art-Rock und andere einfach Crossover in seiner ursprünglichen Bedeutung. Wirklich wissen tut es auch nach 3 Jahren Bandgeschichte niemand. Aber definitiv gibt es kostbare Melodien in Hülle und Fülle, vom klarsten Klang-Spektakel bis zum kompletten Chaos. Irgendwie zeitlos, irgendwie ungewohnt und irgendwie alles auf einmal. Mit ihrem Debütalbum in der Schublade ist die Band aktuell dabei, sich auf allen Ebenen ein professionelles Netzwerk aufzubauen. Für Charlotte gab es etwas ganz besonderes von Ziggy und Eva D. Viel Spaß!

Barcamp Tag 2

Das Fazit zuerst: Das Barcamp hat sich mit dem Nachmittag gestern, dem Abend in der “Tomate” und dem heutigen Tag zu einem lohnenswerten Ziel entwickelt. Viele Sessions erinnerten an die besseren Seminare an der Uni, jene, bei denen eifrig diskutiert und abgeschweift werden kann. Los ging es dennoch auch heute etwas holprig: Ralf Anders‘ Überlegungen zur Zukunft des Web (”2015″) konnten nicht auf ganzer Linie überzeugen. Weiter dann mit einem Thema, welches das Potenzial hat, sich durchaus zu einem Dauerbrenner zu entwickeln: Roman Hanhart und Robert Basic leiteten ein in eine sehr lebhafte Debatte über Googles bedrohliche Marktstellung, die daraus resultierenden Folgen, Zwänge, Abhängigkeiten und die möglichen Alternativen. Eine Session mit Garantie auf Overtime und eine, die reichlich Gedankenfutter mit auf den Weg gab. Ein Thema, das längst zum Dauerbrenner geworden ist, wurde am Nachmittag von Stephan Luckow (signfirst, godot) angerissen: “Naht das Ende der Verwertungsgesellschaften?” Am Beispiel GEMA konnte er die wichtigsten Problematiken skizzieren. Noch interessanter war allerdings das Mittagspausen-Gespräch mit ihm, dem aber auch alle anderen Small Talks des Tages in nichts nachstanden. Der Abschluß des Tages dann erneut mit Robert Basic: Mit vielen anschaulichen Beispielen legte er ein überzeugendes Plädoyer dafür ab, Webseiten so zu gestalten, dass der Nutzer innerhalb kürzester Zeit einen schnellen Nutzen für sich herausziehen kann. Dort wo es also passt gelte es ein passendes Maß zu finden zwischen einer ansprechenden, übersichtlichen und dennoch funktionalen Simplizität und Feature-Wünschen (bis Wahn) auf der anderen Seite. Gerade im Hinblick auf Start-Ups argumentierte für das Credo: Zuerst ein Kernfeature überzeugend bauen und anbieten, von da ab erst langsam und kontrollierbar weiter entwickeln. Ein Thema also, das mich gerade im Hinblick auf den jüngsten Relaunch von regioactive.de sehr angesprochen hat. Ich fürchte, genau da ist es nicht zu 100% gelungen, dem Überblick und der Einfachheit zu ihrem Recht zu verhelfen – selbst wenn im Vergleich zu zuvor ein guter Schritt getan wurde.
Summa summarum: Die zwei Tage lieferten fast schon zu viele Gedankenanstöße, um sie an den eigenen Projekten abzuarbeiten. We’ll see.

Barcamp unplugged

Mein erster Tag auf einem Barcamp. Eigentlich sollte es der Anlass gewesen sein, hier auf woweezowee endlich mal wieder etwas gehaltvolleres zu bloggen, als das in den letzten 3, 4, 5 oder 6 Monaten der Fall war. Nur leider funktionierte der WLAN-Zugang an der Mannheimer Hochschule nicht. Der Rest: Toll organisiert, wenn auch für Barcamp-Neulinge nicht gleich jeder Ritus auf Anhieb zu durchschauen ist. Nicht wirklich hilfreich ist es, wenn ein bis in die Haarspitzen motivierter Barcamp-Profi wie Oliver Gassner aus hinterster Reihe in die sich gerade einander vorstellende Runde brüllt: “Warum machen wir es denn nicht wie immer?”. Aha, denkt man sich, bis es dann jeder macht so wie es offenbar immer jeder macht und zum Namen noch 3 persönliche Tags nennt.

Herrn Gassners Vortrag “Werbung auf Blogs / Geld verdienen mit Blogs”, den er zusammen mit dem sympathischen Schweizer Trigami-Blogger Roman Hanhart abhielt, spielte sich dann leider auf eben jenem Niveau ab, das mit dem Schrei in die Runde innerhalb der ersten halben Stunde bereits von ihm vorgegeben worden war. Sagen wir es so: Bei diesem kontroversen Thema die grundsätzlichen Fragen (für und wider, Veränderungen der Blogkultur durch Kommerzialisierung etc.) einfach gänzlich auszublenden, halte ich persönlich für mehr als ungeschickt. Eine Runde, die sich ausschliesslich damit beschäftigt, wie man am ehesten am meisten Geld mit seinem Blog verdienen kann, ein Vortag der allseits bekannte Binsenweisheiten über den Zusammenhang zwischen Arbeitsaufwand und Erfolg oder über Einnahme-Zahlen zu verschiedenen Werbemodellen wiederkäut, kann man sich eigentlich sparen. Da findet man einerseits Googles Markstellung zu dominant, kritisiert das Adsense-Modell und spielt an der ein oder anderen Stelle sogar mit dem Gedanken an ein gänzliches Aussperren von Google, bringt andererseits aber das Thema “reiner Werbeblogs” ins Spiel, die dann eben – weil das sicher keiner freiwillig liest – ja gerade wieder von Googles überschwappendem Zufalls-Traffic leben sollen. Nun ja. Da fällt dem ein oder anderen in Zukunft sicherlich noch schlaueres ein. Ein Zeitpunkt also, an dem sich meiner einer fragen musste, ob die sowieso knapp bemessene Freizeit hier wirklich richtig investiert ist.

Doch es ging verdammt gut weiter. Auf den Fluren entwickelten sich erste interessante Smalltalks und bald stand die Session “Der Effekt von Crowdsourcing auf traditionelle Entertainmentbranchen – am Beispiel der Plattenindustrie. Sind die Prosumer nach den Tauschbörsen die wahren Killer der “alten” Musikindustrie? (Jonathan Imme und Ryan Rauscher)” auf dem Programm. Musik, Crowdsourcing, Musikindustrie & Co. – Schlagworte, hinter denen wirklich viel steckt (insbesondere in diesem Zusammenhang) und ein Thema, über das man alleine einen ganzen Samstag diskutieren könnte. Jonathan und Ryan präsentierten einen hervorragenden Vortrag, der die wichtigsten Punkte kontrovers anzuschneiden wusste und auf den auch reichlich Feedback aus Reihen der Anwesenden kam. Ich hoffe, ich finde die Zeit darauf genauer einzugehen, sobald der Vortrag oder ähnliches im Netz abgelegt ist oder spätestens, wenn ich das Thema in einem Interview mit den Beiden auf regioactive.de oder anderer Stelle aufgreife.

Ein Thema, das außerdem die knapp bemessene Zeit deutlich überschritt. Daher musste Law2.0 ausfallen (soll aber sehr gut gewesen sein) und der Spalt bis zur letzten Session des Tages mit weiteren Smalltalks überbrückt werden. Sehr angenehm war das besonders mit Matthias vom Numblog und Jonathan Imme.

Leider war ich bei dem Vortrag über “Microformats” dann gänzlich falsch. Nix verstehen. Dennoch bin ich gespannt, ob es auch morgen einige wertvolle Erkenntnisse oder Gedankenanstöße mitzunehmen gibt.

Links zum Barcamp:
Wiki
Flickr /Teilnehmerfotos