Auf die Fake-Doku über HumaniTV war ich anfangs tatsächlich reingefallen. Wie nahe die Realität in London mittlerweile rückt, zeigt ein Artikel auf Telepolis:
Bald sollen bis zu 20.000 Menschen Zugang zu den Aufnahmen von Überwachungskameras erhalten und von ihren heimischen Fernsehgeräten und Computerbildschirmen aus ihre Nachbarschaft beobachten.
[Videoüberwachung neuer Qualität: in London sollen Bewohner ihr Viertel selbst beobachten]
Man sollte meinen, ich hätte derzeit ganz viel Zeit. Dem ist mitnichten so. Dennoch will ich mal ein paar interessante Links der letzten Tage in einem kleinen Roundup sammeln:
– Marina Ottaway attestiert dem Irak im Interview mit Charles Hawley: “The Country Has Already Collapsed“. Andere Experten verteilen “Ohrfeigen für Bush“. Kommt er wirklich bald oder ist der schon da, der Bürgerkrieg? Selbst optimistische Iraker sehen eine große Gefahr.
– Ich bin dafür, dass für alles rund um die Klinsmann-Abschieds-WM unter dem Tag ‘WM2006′ versammelt und gepostet wird. Irgendwie steigt so ganz langsam Vorfreude in mir auf; trotz aller Unannehmlichkeiten, die diese Weltmeisterschaft mit sich bringt.
– Travor Davis gibt mit Crisis Pictures auf: “I am out of money and out of energy.” Ausgesprochen schade.
– Henner Kirchner veröffentlichte auf dem MENAlog eine vierteilige Serie über arabische Micromedien und wie sie die Wahrnehmung des Westens in der arabisch-islamischen Welt verändern: 1, 2, 3, 4.
– Madrider Anschläge: 2 Jahre ohne Aufklärung.

we strongly disagree with and condemn those who promote or practice tyranny and violence in the name of Islam. We hope that their misguided deeds will not blacken our noble religion — which is indeed a path to God and a call for peace.
Das Muslim Manifesto an sich klingt ganz gut. Von Nationalreview übernommen findet es sich seit gestern auch auf der internationalen Version des SpOn. Zu den Initiatoren heisst es da:
Mustafa Akyol is a writer and journalist based in Turkey; Zeyno Baran is director of International Security and Energy Programs at The Nixon Center. In February 2006, she was a “Distinguished Visitor” to the American Academy in Berlin.
NationalReview (Wikipedia) und NixonCenter (Mission Statement), das hat ja schon ein kleines G’schmäckle. Schlimmer wird es allerdings auf dem Blog The White Path von Mitinitiator Mustafa Akyol. Dort kann man erfahren, dass er sich — neben vielen vernünftigen Positionen — mit den konservativen bis rechten Christen verbunden fühlt und so z.B. auch pro Intelligent Design argumentiert. Einen Artikel der LA Times (”Five questions non-Muslims would like answered“) beantwortete er im November u.a. mit dem Apell an moderate Muslime, sich noch mehr Gehör zu verschaffen:
First, Mr. Pager asks, “Why are you so quiet?”, relating to the lack of powerful condemnations from Muslims to atrocities committed in the name of Islam. Well, not all Muslims are quiet and some do speak out, but it is true that this is not enough. The lack of a real strong stance against terrorism among the masses in the Islamic world is a real problem.
Damit hat er vollkommen recht, doch eindeutig schade ist es, dass dieses medienwirksame Manifest nun ausgerechnet aus dieser Ecke des Spektrums kommt. Interessant, gut und in weiten Teilen zustimmingswürdig bleibt dennoch ein wenig Unbehagen zurück. Jedenfalls handelt es sich um keine Stimme “moderater” Muslime; zumindest bringe ich für mich “moderate Religion” nicht mit Intelligent Design überein und das gilt für Islam wie jede andere Religion (Wikipedia: Kreationismus; Die ZEIT: “Warum Intelligent Design religiös motivierter Unfug ist“).
Der SpOn-Artikel verschlimmbessert das Ganze noch mehr, indem die Onlinedebatte im Forum mit der Frage “Is the ‘Muslim Manifest’ an alternative to a clash of cultures?” überschrieben wird. Da ist er also schon wieder, der Kampf der Kulturen. Weil es dieses Konstrukt nicht wirklich gibt und das Manifest nur eingeschränkt tauglich ist, antworte ich also mit: Nein.
Vertrauliche Videoaufzeichnung belegen, daß der US-Präsident, anders als von der Regierung dargestellt, frühzeitig über die von Experten erwartete Zerstörungskraft des herannahenden Hurrikans informiert wurde. [Monster-Hurrikan "Katrina": Bush ist frühzeitig gewarnt worden]
Das Video der Nachrichtenagentur AP gibt es online bei OGM zu sehen.
Seit 1997 stellt die Initiative Nachrichtenaufklaerung eine spannende Liste der in den Medien vernachlässigten Themen vor. Für 2004 war das Topthema Abschiebung und heute wurde die Top 10 für das vergangene Jahr 2005 veröffentlicht:
1. Korruptionsbekämpfung durch die UNO – Deutschland ist nicht dabei.
Ecuador hat es geschafft, Uganda und Peru auch. Nur Deutschland war nicht dabei, als die UN-Konvention gegen Korruption am 14. Dezember 2005 in Kraft trat. Sie verbietet Politikern jegliche Annahme von Präsenten und Annehmlichkeiten und macht eine schärfere strafrechtliche Verfolgung möglich. Vorteilsnahme wird bei deutschen Bundestagsabgeordneten bislang nur dann strafrechtlich verfolgt, wenn der Verkauf einer Stimme bei einer Abstimmung nachgewiesen werden kann. Nach Ansicht von Korruptionsbekämpfern könnte mit einer Umsetzung der Konvention der zentrale Schwachpunkt in den deutschen Anti-Korruptions-Bestimmungen beseitigt werden.
Auf den weiteren Plätzen sind folgende Themen gelandet:
2. Bedenklicher Einsatz von Wahlmaschinen
3. Der Pestizid-Bumerang: Die verbotenen Gifte kommen zurück
4. Strategie der Abhängigkeit: Irakische Bauern müssen Lizenzgebühren für Saatgut zahlen (vgl. meinen Eintrag aus dem März 2005)
5. Geheimdienste überwachen unkontrolliert die digitale Kommunikation in Europa
6. Fehler im System: Wie der “Grüne Punkt” ausgehebelt wird
7. Deutschland verschläft die Energiewende
8. EU-Chaos beim digitalen Fahrtenschreiber
9. Schmutzige Kredite
10. Vom Petro-Dollar zum Petro-Euro: Iran plant neue Ölbörse
[Initiative Nachrichtenaufklärung -- Topthemen 2005]
Im August 2005 eroberte Cindy Sheehan, die Mutter eines im Irakkrieg gefallenen US-Soldaten, mit einem wochenlangen Sitzstreik vor der Ranch von George W. Bush in Texas die internationalen Medien. Jetzt besucht Cindy Sheehan für sechs Tage Europa und zum ersten Mal Deutschland. Ihr erster Weg führt nach Aachen zum Aachener Friedenspreis. Cindy Sheehan wird am 9. März im Krönungssaal des Rathauses in einer Veranstaltung des Aachener Friedenspreises im Rahmen der Aachener Friedenstage sprechen und am nächsten Morgen ihre Auftaktpressekonferenz für Deutschland geben.
[weiterlesen bei Klarmanns Welt]
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